Letztes Fokus-Festival in Görlitz: Ende nach 20 Jahren

Das Fokus-Festival zieht viele Menschen nach Görlitz. (Foto: Paul Glaser)
Das Fokus-Festival zieht viele Menschen nach Görlitz. (Foto: Paul Glaser)

Bekannte Acts wie Polarkreis 18, Clueso und Ebow traten schon beim Festival in der Rabryka auf, doch jetzt ist Schluss. Wieso muss das Fokus einpacken? Von Martha Lippert

Zwei Bühnen mit Musik, Bastelangebote, Workshops, eine Silent-Disco und eine Aftershow-Party – so vielseitig zeigt sich das Fokus Festival in der Rabryka, dem Zentrum für Jugend- und Soziokultur in Görlitz. Unter dem Motto „Träum weiter!“ geht das kultige Festival im August nach knapp zwei Jahrzehnten vorerst zu Ende. Vom 21. bis 22. August heißt es ein letztes Mal feiern, gestalten und Gemeinschaft genießen.

Georg, der das Fokus seit Februar 2025 koordiniert und nicht mit vollem Namen genannt werden möchte, verweist auf Probleme mit der Finanzierung und eine hohe Arbeitsbelastung. „Es zieht einfach enorm viele Ressourcen.“ Auch Paula, die seit Juli 2024 bei der Rabryka für Jugendprojekte zuständig ist und ihren Nachnamen ebenfalls nicht nennen möchte, begründet das Festival-Aus unter anderem mit zu hohen Kosten. Alternativ müssten die Eintrittspreise erhöht werden. „Das wollten wir nicht, weil es auch einfach niedrigschwellig bleiben soll“, erklärt sie.

Es zieht einfach enorm viele Ressourcen.

Außerdem müsse das reguläre Angebot in der Rabryka über den Sommer teilweise eingestellt werden, da das Festival „sehr viel Raum einnimmt“, so Paula. Das Fokus werde zwar von vielen Ehrenamtlichen unterstützt, jedoch mangele es an Menschen, die langfristig in die Planung eingebunden seien. „Uns fehlen ganz oft die Kapazitäten.“

Ein Leuchtturm für die Queere Community

Was das Festival über Jahre ausgemacht hat, ist für Paula vor allem das Miteinander. Beim Fokus könnten Menschen spontan an Workshops teilnehmen, vieles ausprobieren und dabei ins Gespräch kommen. „Vor allem für die queere Community war das so ein Leuchtturm in der Region“, sagt sie. Georg beschreibt es ähnlich. Beim Fokus könnten Menschen vor allem eine gute Zeit haben und neue Leute kennenlernen, erzählt er. Man könne dort Dinge erschaffen oder ausprobieren, schöne Musik hören und den Ort genießen.

Das Festival zieht laut Georg regelmäßig Menschen an, die in Görlitz leben oder einmal dort gelebt haben. „Es ist generell ein Happening.“ In den vergangenen Jahren besuchten über zwei Tage bis zu 2500 Menschen das bekannte Festival.

Polarkreis 18, Clueso und Ebow auf dem Fokus-Festival

Das Festival ist ein Publikumsmagnet: Das zeigt auch ein Blick auf das Programm der vergangenen Jahre. „Hier waren zum Teil auch Künstler:innen am Start, die eigentlich sehr bekannt sind. Und das war schon eine Besonderheit, die auch mal nach Görlitz zu holen“, findet Paula. Darunter die ehemalige Dresdner Popgruppe Polarkreis 18, Sänger Clueso und das Andromeda Mega Express Orchestra, ein preisgekröntes Jazz-Ensemble aus Berlin. Auch die Rapperin Ebow sei schon beim Festival aufgetreten. „Man hört immer wieder, dass viele Artists beim Fokus aufgetreten sind, als sie noch nicht so groß waren“, sagt Georg.  

Die Wurzeln des Festivals reichen weiter zurück als die Rabryka selbst. Hinter beiden Projekten steht der Verein Second Attempt e.V., der 2003 in Dresden entstanden ist, bevor er mit dem damaligen Gründer Marcus Fitzgerald nach Görlitz zog. Das Fokus entwickelte sich aus einer Jugendkulturmesse, die von der Stadtverwaltung organisiert wurde, erzählt Christian Thomas, Vorstandsvorsitzender der Rabryka und ehemaliger Koordinator des Fokus Festivals. „Die war halt mega lame.“ Laut Thomas entschied sich Fitzgerald, die Messe neu zu gestalten. „Er hat sich gedacht: Dann machen wir das halt.“ 2006 zog das Festival auf das Schlachthof-Gelände, bevor es später zur Rabryka wechselte.

„Es geht um mehr als nur ein bisschen Party“

Laut Georg habe sich das Festival über die Jahre stark professionalisiert – weg vom ursprünglichen DIY-Charakter, hin zu mehr Verbindlichkeit. „Es geht um mehr als nur ein bisschen Party und gute Laune, weil wir auch ein Stück weit abliefern müssen.“ Eine Pause einzulegen, das entlaste das Team und schaffe Raum, neue Kraft und Ideen zu sammeln. „Klar, es ist natürlich schade, aber es hat meiner Meinung nach auch nicht nur Nachteile“, findet er. Gerade junge Menschen hätten als Ehrenamtliche oft bei den Vorbereitungen des Festivals geholfen und das Fokus aktiv mitgestaltet, sagt Paula. „Ich sehe schon auch, dass hier ein Angebot wegbricht“, meint sie. „Aber gleichzeitig schafft es Raum für anderes.“ 

So sei etwa geplant, das Format „Dein Sommer in der Rabryka“, eine Konzertreihe im Biergarten des Rabryka-Geländes, auszubauen, so Georg. Die Leute wüssten natürlich, dass es das letzte Festival sei. „Wir versuchen das nochmal so schön wie möglich zu machen“, sagt er. „Für alle, die es betrifft, wird natürlich ein bisschen Wehmut mitschwingen. Aber es geht mit anderen Projekten auf jeden Fall weiter.“