Emotionale Momente beim Public Viewing in der Halle 45

In der Halle 45 verfolgen Fußballfans das WM-Spiel Deutschland gegen Paraguay.
In der Halle 45 verfolgen Fußballfans das WM-Spiel Deutschland gegen Paraguay. Foto: Kristina Schäfer

In der „WM Arena Mainz“ in der Halle 45 erleben 2.000 Fans bis in die Nacht ein emotionales Wechselbad bei Deutschlands bitterer WM-Niederlage gegen Paraguay.

Mainz. Ein Abend mit Höhen, aber mehr mit Tiefen. In der zur „WM Arena Mainz“ verwandelten Halle 45 mussten Fans am späten Montagabend starke Nerven haben und sich auf einen kürzeren Schlaf einstellen. Das Ausscheiden der Nagelsmann-Elf im Sechzehntelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Paraguay – miterlebt beim größten Public Viewing in Mainz.

Die Sonne versank, die Vorfreude stieg. Stunden vor dem deutschen Debakel sah alles noch nach einem fröhlichen Fußballfest aus. Die ehemalige Fabrikhalle in Mombach war mit unzähligen Bierzeltgarnituren bestückt, mittig an der Wand gegenüber dem Eingang hing eine neun mal fünf Meter große LED-Leinwand. Die Decke schwarz, die Beleuchtung in Rot und Gelb – die Halle 45 war ganz in die deutschen Nationalfarben getaucht. Rund 2.000 Fans waren gekommen.

Vor Anpfiff des zweiten Sechzehntelfinales des Tages, konnte schon beim ersten zwischen Brasilien und Japan mitgefiebert werden. Jan saß mit seinen Freunden vor dem Spiel an den Tischen im Außenbereich. Hier gab es einen Bratwurststand und einen Eiswagen. „Ich mag die Location hier, man hat Platz, steht nicht lange bei den Getränken oder vor der Toilette an und der Eintritt ist kostenlos“, sagte der 21-Jährige. Nur die Pommes konnten bei ihm nicht punkten. Jan sei bereits das zweite Mal beim Public Viewing in der Halle 45. Ihm gefalle darin besonders das Aktivitätsangebot im Seitenbereich.

Dort gab es neben einer „Beerpong Area“ auch eine „Entertainment Area“ mit Tischkicker, Fußball-Billard und Torwandschießen. An einem Stand gab es auch selbstgemachte Fanartikel zu erwerben. „Das ist einfach mein Hobby. Die schwarz-rot-goldenen Haarreife hier zum Beispiel habe ich noch letztes Jahr in den Mainzer Fastnachtsfarben hergestellt“, erzählte die Unternehmerin Juli Liebe. Sie bot auch Fan-Schminken und Glitzer-Tattoos an.

Vernichtende Halbzeitanalyse in der Halle 45

Doch wie antworteten die Fußball-Fans auf die Frage aller Fragen vor dem deutschen K.o.-Spiel? „Ich tippe auf drei zu eins für Deutschland“, verschätzte sich Max. Sein Kumpel Vincent lag mit zwei zu null auch daneben. „Ich habe noch den Tipp meiner Mutter dabei. Sie sagt zwei zu zwei nach Verlängerung und wir gewinnen dann mit drei zu zwei im Elfmeterschießen knapp gegen Paraguay“, ergänzte der 22-Jährige. Ganz so falsch war der Tipp offenbar nicht. Eine Verlängerung und das Elfmeterschießen sollten tatsächlich noch folgen, nur mit einem anderen Ergebnis am Ende.

„Ich glaub‘, das war’s.“

Fußball-Fan Frederik

Kurz vor dem Anpfiff um 22.30 Uhr wurden noch eilig einige als Stehtische dienende Blechfässer vom Außenbereich und der bis dahin ungenutzten „Beerpong Area“ abgezogen und für die Fans vor der Leinwand platziert. Dann lief die deutsche Nationalmannschaft unter Mainzer Applaus auf den Rasen bei Boston ein. Die Fans sehnten sich nach dem ersten deutschen Tor, wurden dann aber in der 42. Minute erstmal enttäuscht. Paraguay ging in Führung. „Wie willst du den Auftritt als deutscher Trainer erklären?“, fragte Frederik in seiner emotionalen Halbzeitanalyse. „Wir haben keinen Plan gegen tief stehende Gegner. Genauso ist auch die Türkei an Paraguay gescheitert und aus dem Turnier geflogen.“ Der 35-Jährige blickte wenig optimistisch auf die zweite Halbzeit: „Ich glaub‘, das war’s.“ Er sollte Recht behalten.

Mainzer Fans bejubeln Amiris Treffer

Nun wurde auch die „Beerpong Area“ genutzt. Zu Beginn der zweiten Halbzeit folgte endlich die Erlösung. Eins zu eins, Ausgleich. Die Fans bejubelten jede gute deutsche Aktion auf dem Platz, von denen es genug gab. Als es dann unverändert in die Verlängerung ging, war die Stimmung angespannt. Tosender Applaus, begleitet in der Halle 45 vom Narhalla-Marsch, brandete beim vermeintlichen Führungstreffer für Deutschland auf.

Doch dann meldete sich der Schiedsrichter und es wurde mucksmäuschenstill. Die Zurücknahme des Tores wurde entsprechend missbilligt, Buh-Rufe und ausgestreckte Mittelfinger waren die Reaktion. Das abschließende Elfmeterschießen ging dann krachend in die Hose. Der Mainzer Schütze Nadiem Amiri konnte sich immerhin des Jubels der Mainzer Fans bei seinem Treffer sicher sein. Ganz kurz gab es noch tosenden Applaus, Tanzeinlagen und fliegendes Bier, als Manuel Neuer das DFB-Team noch einen Schuss länger im Turnier hielt.

Geholfen hat das am Ende bekanntermaßen nicht. Die zunächst vorfreudig gekommenen Fans gingen tief in der Nacht enttäuscht und müde nach Hause. Die deutschen Spieler taten es ihnen gleich. Wieder einmal endete eine Männer-Fußball-WM in einer Blamage.