Schlesisches Museum Görlitz feiert 20 Jahre: Ein Jubiläum mit Geschichte

Der Schönhof beherbergt das Schlesische Museum in Görlitz. Foto: Janika Spies

Zum 20-jährigen Bestehen lädt das Schlesische Museum zu einer Zeitreise durch die Geschichte Schlesiens ein. Interaktive Ausstellungen, das 500-jährige Jubiläum des Schönhofs und eine Sonderausstellung über deutsche Inschriften zeigen, wie Erinnerungskultur Vergangenheit und Gegenwart verbindet.

2026 feiert das Schlesische Museum zu Görlitz sein 20-jähriges Bestehen. Wo einst Bier an die wohlhabende Görlitzer Bürgerschaft ausgeschenkt wurde, entfaltet sich heute auf drei Etagen des Schönhofs die Geschichte Schlesiens. In 17 Ausstellungsräumen führt das Museum Besucher auf Deutsch und Polnisch vom Mittelalter über Flucht und Vertreibung der Schlesier nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende des Kalten Krieges. Erzählt wird die Geschichte einer Region, deren Identität seit Jahrhunderten zwischen verschiedenen Nationen verhandelt wird. Die Ausstellung versteht sich dabei ausdrücklich als Beitrag zur Versöhnung.

Trotz der chronologisch angelegten Ausstellung erfordert der Rundgang Aufmerksamkeit. Zwar markieren kleine Zahlen den Weg, doch der nächstgelegene Raum ist nicht immer die nächste Station der Zeitreise. Da sich die Ausstellung über viele Halbstockwerke bis in den Hinterhof des Schönhofs erstreckt, kann die Orientierung mitunter schwerfallen. Alle Stockwerke sind jedoch problemlos per Aufzug und Treppenlift erreichbar. 

Die Dauerausstellung überzeugt vor allem durch ihre gelungene Verbindung klassischer Exponate mit interaktiven Elementen. Neben ausziehbaren Schautafeln laden historische Filmaufnahmen einer traditionellen schlesischen Hochzeit sowie Audioaufnahmen dazu ein, tiefer in die Geschichten der ausgestellten Objekte einzutauchen. Auch wenn es dort bei größerem Besucherandrang laut werden kann, machen gerade diese Stationen deutlich, wie lebendig und facettenreich die schlesische Geschichte ist.

Mit Ausstellern führt das Museum durch die Restaurierung des Schönhofs. Foto: Janika Spies

500 Jahre Schönhof: Sonderausstellung zur Restaurierung des historischen Gebäudes

Zeitgleich mit dem Museum feiert auch das Museumsgebäude ein außergewöhnliches Jubiläum: Seit 500 Jahren gibt es den Schönhof. Aus diesem Anlass zeigt das Museum die Ausstellung „Wir sind Schönhof! Schönhof to my“ über die Restaurierung des historischen Gebäudes. Verteilt über die Dauerausstellung informieren zusätzliche Aufsteller über die Wiederherstellung der verrußten Decken, beschädigten Wandmalereien und bemalten Holzbalken. Noch bis zum 14. Februar 2027 kann die Geschichte der Wiederbelebung des Baudenkmals nachvollzogen werden.

Neben den Jubiläumsfeierlichkeiten präsentiert das Schlesische Museum bis zum 13. September außerdem die Fotoausstellung „Zeichen der Zeit. Deutsche Inschriften in Schlesien“ des Fotografen Thomas Voßbeck. Kuratiert von Dawid Smolorz dokumentiert sie die sogenannte „Entdeutschung“ Schlesiens nach dem Zweiten Weltkrieg. In den ehemals deutschen Gebieten, die nach Kriegsende an Polen fielen, wurden deutsche Inschriften systematisch entfernt oder in polnischer Sprache überdeckt. Bis heute sind die Überreste dieser Vergangenheit an vielen Orten sichtbar. Im Gästebuch würdigen Besucher die Ausstellung als wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der schlesischen Geschichte.

Erinnerungskultur im Schlesischen Museum Görlitz

Alle drei Ausstellungen verbindet ein gemeinsamer Gedanke: der bewusste Blick auf die Vergangenheit. Sie zeigen, wie Erinnerung dazu beitragen kann, die Folgen von Krieg, Vertreibung und politischen Umbrüchen sichtbar zu machen – und zugleich Brücken zwischen den Menschen und ihrer gemeinsamen Geschichte zu schlagen.

Besucht werden kann das Schlesische Museum Dienstag bis Donnerstag 10 bis 17 Uhr und Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt für Dauer- und Sonderausstellung kostet 10€. 

Mehr zum Schlesischen Museum