Der neue Senckenberg-Campus soll Ende 2026 fertiggestellt werden. Das moderne Gebäude bietet neben Platz für Millionen an Sammlungsobjekten einen Ort für Forschung und Lehre. Das traditionsreiche Museum in der Stadtmitte bleibt erhalten.
Steine in Brauntönen, durchzogen von Grün und Hellgrau, schmücken die Fassade des Neubaus in der Bahnhofstraße 30 in Görlitz. Hier entsteht der neue Senckenberg-Campus. Die moderne Front fällt auf im barocken Stadtbild.
Dabei gibt die Gestaltung der Fassade nicht nur einen Hinweis auf den Forschungsschwerpunkt – deutsche Bodentiere – sondern weist auf die Modernisierung eines Instituts mit langer Geschichte hin. Bereits 1811 gründete sich die „Naturforschende Gesellschaft zu Görlitz“. Als eines der ältesten Deutschlands erbaute der Verein 1860 das Naturkundemuseum am Marienplatz.
Naturkunde-Forschung in Görlitz bekommt mehr Platz
„Das Museum war schon im 20. Jahrhundert zu klein“, erklärt Christian Düker, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Seit den 30er Jahren sei deshalb zugemietet worden, um die umfangreichen Sammlungen sowie die Forschung unterzubringen.
Zu dem ursprünglichen Museumsbau kamen sieben angemietete Gebäude, darunter Wohngebäude und Teile des Finanzamtes. Die Ansprüche an die Gebäude seien jedoch hoch, erklärt Christian Düker. Sie müssten frei von Erschütterungen und staubdicht sein, Licht und Temperatur müssten gut kontrolliert werden.
Bund und Freistaat Sachsen finanzieren Millionen-Bau
Deshalb entsteht der neue Campus in der Bahnhofstraße, der Raum für Sammlungen, Forschung und die rund 70 Studierenden der beiden englischsprachigen Master bietet. Die ursprünglichen Ausstellungsräume im Museum bleiben allerdings, wo sie sind.
Bis 2008 lagen Museum und Gesellschaft in der Hand des Freistaates Sachsen, seitdem ist es Teil der Senckenberggesellschaft. Das neue Gebäude, dessen Planung vor über 10 Jahren begann und an dem seit 2020 gebaut wird, bleibt jedoch im Besitz des Freistaates.
Wir haben allein 7.000 aufgestellte Vogelpräparate.
Der Bau des neuen Campus soll im November fertiggestellt werden. Auch die Baukosten von rund 79 Millionen Euro wurden durch Sachsen sowie eine Förderung des Bundes aufgebracht. „Den neuen Campus haben wir zum Abschied bekommen“, freut sich Christian Düker.
Die Kosten für den Umzug muss die Gesellschaft jedoch selbst stemmen. Der Transport der Sammlung ist ab Januar 2027 geplant. Bis Ende 2028 sollen etwa 100 große LKW die rund sieben Millionen Sammlungsobjekte in das neue Gebäude bringen.
Jahrhunderte alte Museums-Objekte ziehen um
Darunter Skelette, winzige Insekten in Glasröhrchen und 160. 000 Bücher. Einige der Stücke sind noch aus der Gründungszeit des Museums und somit rund 200 Jahre alt.
Auch bei dem Transport sehr fragiler Sammlungsobjekte sei laut Christian Düker Vorsicht geboten: „Wir haben allein 7.000 aufgestellte Vogelpräparate.“ Alle Objekte mit Federn und Haaren sowie Pflanzenmaterial müssen die Museumsmitarbeiter:innen tieffrieren, um der Verbreitung von Schädlingen vorzubeugen.
„Eingepackt & Ausgepackt“: Senckenberg-Museum zeigt Sonderausstellung
Zusätzlich wird in den Ausstellungsräumen ein- bis zweimal jährlich eine Vernebelung durchgeführt. Die genutzten Pyrethroide, pflanzliche Insektizide, bauen sich innerhalb von 24 Stunden wieder ab. „Ein einheitliches Konzept für die Sammlungen im Campus wird derzeit von den Sammlungsmanagern noch diskutiert“, so Christian Düker.
Wie genau der Umzug der Sammlung abläuft, erklärt das Naturkundemuseum derzeit in der Sonderausstellung „Eingepackt & Ausgepackt – Unser Weg in den neuen Senckenberg-Campus“. Besuchende können hier die Schwierigkeiten des Umzugs und die Möglichkeiten des neuen Standortes entdecken. Die Sonderausstellung geht noch bis der Umzug fertiggestellt ist, also voraussichtlich bis Ende 2028.