Nicht nur Wälder drohen derzeit leicht Feuer zu fangen. Auch auf Feldern in Hessen brennt es immer häufiger. Wie gehen Landwirte mit dem Risiko für Feldbrände um? Von Nina Gross.
Friedrichsdorf/Groß-Umstadt/Offenbach. Trockener Boden, hohe Temperaturen, geringe Luftfeuchtigkeit und ein stetiger Wind: Die aktuelle Wetterlage in Hessen ist für die Landwirtschaft ein nicht ungefährliches Zusammenspiel. Was für die anstehende Getreideernte einerseits perfekte Bedingungen schafft, birgt andererseits ein massives Risiko für Mensch und Natur – sich schnell ausbreitende Feldbrände können entstehen.
Nach Angaben des Hessischen Bauernverbandes ist diese Witterung ebenso notwendig wie gefährlich für die Ernte von Getreide. Wie schnell ein Funke genügt, zeigte sich erst kürzlich in Südhessen: In Groß-Umstadt geriet am Sonntag ein rund 3.000 Quadratmeter großes Feld in Brand. Nach Informationen des Polizeipräsidiums Südhessen hatte sich Stroh in einer Rundballenpresse entzündet.
„Vor technischen oder mechanischen Fehlern sind die Landwirte nie ganz geschützt.“
Marie-Claire von Spee, Sprecherin des Hessischen Bauernverbands
Marie-Claire von Spee zufolge überprüfen die Landwirte regelmäßig ihre Maschinen, die im Rahmen der Ernte eingesetzt werden, um Unfälle und Gefahren möglichst auszuschließen. Die Sprecherin des hessischen Bauernverbandes erklärt: „Vor technischen oder mechanischen Fehlern ist man dennoch nie ganz geschützt.“
Wie die Landwirte das Risiko für Feldbrände einschätzen
Zudem sind die ausbleibenden Niederschläge für die Landwirte gerade bei der Getreideernte Fluch und Segen zugleich. Die Trockenheit sei notwendig, weil nur reifes und ausreichend trockenes Getreide geerntet werden kann. Diese Trockenheit fördere aber eben auch die Gefahr von Bränden.
„Landwirte beobachten die Wetterentwicklung und die Bedingungen auf ihren Flächen sehr genau“, heißt es beim Bauernverband. Helfer seien dabei Wetter-Apps, Wetterdienste oder betriebliche Wetterstationen. Ergänzt würden diese Informationen noch durch eigene Erfahrungen vor Ort und die laufende Beobachtung der Bestände.

Der Grasland-Feuerindex sagt Gefahr von Feldbränden voraus
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach lässt sich das Risiko für sogenannte Flurbrände gut abschätzen. Zu den Flurbränden gehörten auch solche auf Feldern mit annähernd erntereifem Getreide und auf abgeernteten Stoppelfeldern, so die Meteorologen.
Informationen zum Risiko von Feldbränden liefert dabei der Grasland-Feuerindex, der vom DWD veröffentlicht wird. Dieser bezieht sich laut einem DWD-Sprecher auf „offenes, nicht abgeschattetes Gelände mit abgestorbener Wildgrasauflage ohne grünen Unterwuchs.“
| Stufe des Grasland-Feuerindex | Bedeutung |
| 1 | sehr geringe Gefahr |
| 2 | geringe Gefahr |
| 3 | mittlere Gefahr |
| 4 | hohe Gefahr |
| 5 | sehr hohe Gefahr |
Höchste Warnstufe für Brände in Hessen erreicht
Am Montag hatte der Index laut DWD in Hessen je nach Region Stufe 4 oder sogar Stufe 5 erreicht – also die höchste Gefahrenstufe für Brände. Zwar schwächt sich diese Gefahr den Angaben zufolge etwas ab. Doch bis einschließlich Donnerstag sei je nach Region mit Stufe 3 bis 4 zu rechen, so der Sprecher. Die Brandgefahr bleibe derzeit hoch. „Die nächsten Tage werden nur lokal und kurzzeitig Niederschläge bringen und ob es am Freitag verbreiteter regnet, ist noch unsicher.“
Dem Bauernverband zufolge ist ein vollständiger Schutz vor Feldbränden nicht möglich. Landwirte reduzieren das Risiko demnach durch sorgfältig gewartete und regelmäßig gereinigte Erntetechnik, hohe Aufmerksamkeit während der Ernte sowie geeignete Löschmittel auf den Maschinen. „Viele Betriebe halten während der Getreideernte etwa vorsorglich ein Wasserfass direkt am Feld bereit, um im Ernstfall schnell reagieren zu können.“