Bei dem neuen Krimi „An der Grenze“ für das ZDF und ServusTV fragt sich der Zuschauer am Ende verwirrt, was eigentlich die Handlung zwischen den Klischees war und, wer den Mord begangen hat.
Ziel der Produktionsfirma Bavaria Fiction war es nach eigenen Angaben, „eine fesselnde, atmosphärische Erzählung in den Bergen zu schaffen, die ohne Klischees auskommt“. Die Produzenten teilten dazu mit, „An der Grenze“ sei ein spannender Samstagskrimi in der Grenzregion zwischen Bayern und Österreich.
In Garmisch wird der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Ben Münchow) ermordet. Die junge Kommissarin Daphne (Philine Schmölzer) soll den Fall aufklären. Doch ihre ehemalige Kollegin Ira (Lavinia Wilson) mischt sich ein. Dabei ermittelt sie heimlich mit. Das Tatmotiv wird in den Konflikten zwischen Naturschützern und Bauern vermutet. Denn ein Wolf und viele gerissene Schafe sorgen für Streit zwischen den Gruppen. Die Streitigkeiten eskalieren immer weiter. Auch Iras Tochter (Sophie Borchhardt) gehört zur Gruppe der Naturschützer, während Iras Ex-Mann (Max von Thun) mit seiner Schwester (Johanna Bittenbinder) einen Bauernhof führt.
Klischeehafte Drohung mit Wolfskopf
Das Ziel, einen spannenden Film ohne Klischees zu produzieren, wurde jedoch verfehlt. Verzweifelt sucht der Zuschauer nach einer Art Spannungskurve in einem Wirrwarr von Krimi-Klischees. Zahlreiche klassische Krimi-Elemente werden kombiniert. Dadurch kommt das Gefühl auf, den Film schon zu kennen. Denn die Klischees beginnen in einer der ersten Szene. Das spätere Opfer bekommt ein Paket. Der erfahrene Krimizuschauer weiß jetzt schon, was sich darin befindet: eine Drohung. Es ist ein abgeschnittener Wolfskopf als Vorwarnung. Die Szene erinnert an den Pferdekopf in „Der Pate“.
Bad Cop, Good Cop und korrupte Politiker
Auch die Kommissarinnen bilden ein altbekanntes Duo. Ira ist die taffe, der „Bad Cop“. Sie ist keine Polizistin mehr. Trotzdem ermittelt sie und das mit zweifelhaften Mitteln. Ihr Image wird verstärkt durch die klassische dunkle Lederjacke, eine Sonnenbrille und eine „mir ist alles egal“-Attitüde. Nur ihre Tochter ist ihre Schwachstelle. So weit, so bekannt aus unzählbaren anderen Krimis. Ihr fast plakatives Gegenteil ist ihre Nachfolgerin Daphne. Sie wirkt so sachlich wie ein Roboter, trägt fast nur Pastellfarben und hat einen Becher mit Katzenaufkleber. Die Kontraste zwischen aufgeräumt und chaotisch sowie aufbrausend und sachlich könnten kaum offensichtlicher sein.
Natürlich gibt es in dieser politisch und gesellschaftlich geprägten Handlung auch einen schmierigen Politiker (Gerhard Wittmann). Er tut Freunden für Wahlkampfunterstützung erhebliche Gefallen tut. Auch der überhebliche Chef im Kommissariat (Harald Windisch), der Daphne nicht ernst nimmt, darf nicht fehlen.
Handlung zwischen Verwirrung und Klischees verloren
Der Film will viel sein – global, politisch, gesellschaftlich und emotional. Dadurch gehen Handlung, Tatverdächtige und Verhöre zwischen langatmigen Dialogen und stillen Autofahrten mit merkwürdig fröhlicher Country-Musik verloren. Trotz der vielen Klischees ist die eigentliche Handlung verwirrend. Dadurch erden die Verhältnisse zwischen den Charakteren nie wirklich klar. Auch die Persönlichkeit und das Leben des Opfers wird hinter Iras privatem Chaos angestellt.
Was in einem bayerisch-österreichischen Film nicht fehlen darf, ist natürlich der Dialekt. Teilweise ist es schwierig, die Gespräche zu verstehen. Bei den Bayern scheint das aber eben okay und Teil des Charmes zu sein. Das ZDF hat schon in vielen Formaten bewiesen, dass es bessere, strukturiertere und spannendere Krimis produzieren kann.
Der Samstagskrimi wurde am 28. Februar 2026 im ZDF ausgestrahlt. Der Film ist auch unter dem Titel „Ein Garmisch-Krimi – Wolfsmord“ im ZDF-Streaming-Portal zu sehen.