Bremerhaven: Doris Bielstein verrät, was Besucher in der Tourist-Info wirklich suchen

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Frischer Fischgeruch, Möwenrufe und täglich neue Begegnungen: Doris Bielstein arbeitet in der Tourist-Info in Bremerhaven, obwohl sie längst im Rentenalter ist. Mit viel Erfahrung hilft sie Besuchern aus aller Welt und kennt die Stadt wie ihre Westentasche. Was macht diese Arbeit für sie so besonders?

„Moin, kommen Sie doch herein“, ruft die kleine Frau mit meliertem Haar fröhlich und winkt einen zögernden Besucher zu sich hinein. Vor dem kleinen Gebäude gehen Menschen mit ihren Hunden oder Kindern spazieren. Dabei haben sie den Geruch von frischem Fisch in der Nase und hören das Kreischen der Möwen, wenn sie auf das Schild mit dem großen weißen I auf rotem Hintergrund zulaufen.

Doris Bielstein ist Mitarbeiterin in der Tourist-Info in Bremerhaven, direkt am Neuen Hafen, nahe der touristischen Highlights der Stadt. „Wenn jemand auf mein Moin mit Grüß Gott antwortet, weiß ich direkt, woher die Person kommt“, lacht die Einzelhandelskauffrau. Lange hat sie im Handel gearbeitet, bevor sie vor fünf Jahren durch eine Freundin in die Tourist-Info kam. „Hier muss ich keine schweren Lasten tragen und habe Spaß am Kontakt mit den Menschen“, sagt die zweifache Mutter. „Eigentlich bin ich ja schon Rentnerin, aber solange ich gesund bin, möchte ich hier weiterarbeiten“, spricht sie weiter. Mit ihrem blau-weiß gestreiften T-Shirt verkörpert die leidenschaftliche Schwimmerin das maritime Image von Bremerhaven.

Wasser spielt im Leben ihrer Familie eine besondere Rolle. Ihr Mann ist Ingenieur auf der „Polarstern“, deshalb sind sie auch vor zwei Jahrzehnten von Oldenburg nach Bremerhaven gezogen. Die Töchter wohnen in Berlin und Düsseldorf. „Meine Enkelkinder sehe ich nur selten und mein Mann ist sechs Monate am Stück auf See, da ist die Arbeit hier wie Therapie für mich. Ich kann Menschen die schönsten Ecken der Stadt empfehlen und bin dabei nicht einsam“, erzählt die 65-Jährige, während sie die Wettervorhersage ausdruckt und in der Mitte des kleinen Raums aufhängt.

Neben Postkarten stehen Stadtpläne und Modellschiffe. „Können Sie diesen Schein für den Parkautomaten wechseln?“, wird Doris Bielstein von einer jungen Frau angesprochen. Sofort öffnet sie die Kasse und gibt der erleichterten Touristin Kleingeld. „Fragen wie diese sind hier an der Tagesordnung, zusammen mit ‚Wo gibt es hier eine Toilette?‘ oder ‚Können, Sie mir sagen, wie ich zum Klimahaus komme?‘ – Dann sage ich: Drehen Sie sich mal ganz langsam um.“ Das Klimahaus liegt unübersehbar auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Dann lachen wir zusammen“, beschreibt sie ihren Arbeitsalltag.

„Die Menschen sind so vielfältig wie die Stadt“

Knapp 230.000 Menschen übernachteten im vergangenen Jahr in Bremerhaven. Viele von ihnen haben dabei Halt in der „Info“ gemacht. „Die Menschen sind dabei so vielfältig wie die Stadt“, laut Bielstein kämen die Kreuzfahrtreisenden und Radwanderer aus allen Teilen Deutschlands, aber auch aus Frankreich oder Asien.

Viele sind nur einen Tag da, dann empfiehlt sie bei schönem Wetter eine Barkassenfahrt und bei schlechtem Wetter einen Besuch im Klimahaus. Bei beidem können die Gäste ihr geliebtes Wasser auf unterschiedliche Art erleben. Die Tickets gibt es auch in der Tourist-Info. Mit den Buchungssystemen habe sie am Anfang etwas gehadert. „Einmal habe ich statt 10, 100 Tickets gebucht und dann ist das ganze System abgestürzt“, sagt sie. Heute könne sie darüber lachen, obwohl der Computer in diesem Leben wohl nicht mehr ihr bester Freund wird.

Die Gäste und immer wieder neue Ideen sind ihr wichtiger. So hat die 65-Jährige sich überlegt, Pfeile auf den Boden zu kleben, um den Weg zum etwa 50 Meter entferntem WC-Häuschen zu markieren. Dann hätte sie auch mehr Zeit für die wichtigen Fragen. Antworten hat sie auf jeden Fall genug.

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