Vintage Mode in Frankfurt: „Hundert Prozent Synthetik, so etwas gibt es bei uns nicht“

Kleiderstangen im Geschäft (Foto: Janika Spies)

Bei „Vintage Soul“ setzt Serkan Tur auf Qualität statt Masse. Wie neue Styles aus Metropolen wie Paris und Amsterdam ihren Weg ins Sortiment finden – und weshalb Kunden immer wiederkommen.

Serkan Tur begrüßt jeden Kunden mit einem strahlenden Lächeln. Im Hintergrund läuft fröhliche Neunzigerjahre-Musik. Umgeben ist er von alten Radios, Pflanzen, aufgeschlagenen Büchern, die zur Dekoration an den Wänden hängen. Die Hauptrolle in der Boutique Vintage Soul spielt allerdings Secondhandmode.
Bereits seit Jahren ist Tur in der Secondhandbranche tätig, vor zwei Jahren hat er sein erstes Geschäft in Mainz eröffnet, das in Frankfurt folgte im vergangenen Sommer. Überfüllte Kleiderständer gibt es nicht. Die Boutique ist übersichtlich eingerichtet und hat nur wenige ausgewählte Stücke im Sortiment. Neben Modeartikeln findet der Besucher auch eine kleine Auswahl an Schmuck und Handtaschen. Das Modeangebot, das sich an Männer wie Frauen richtet, reicht von schlichten Unisex-Pullovern bis zu femininen Rüschenblusen. „Hier muss man vielleicht ein- oder zweimal vorbeikommen, bis man etwas findet, aber es gibt etwas für jeden und
jedes Alter“, sagt Tur.

Bliblablub

Kunden schauen laut Tur gerade wegen der Übersichtlichkeit gern bei Vintage Soul vorbei. Außerdem schätzten sie die Qualität der Kleidung. „Hundert Prozent Synthetik, so etwas gibt es bei uns nicht“, sagt der Händler. Immer mehr Kunden interessierten sich für die Zusammensetzung der Textilien. Die Preise variieren je nach Alter und Zustand des Kleidungsstücks. Eine Jeans oder ein T-Shirt kosten zwischen 15 und 25 Euro. Eine Echtlederjacke gibt es schon für knapp 80 Euro.
Jeweils am Dienstag und Freitag dreht Tur das Sortiment, damit Stammkunden jedes Mal etwas Neues entdecken können, wenn sie vorbeikommen. Tur geht in europäischen Metropolen wie Paris, Amsterdam und Antwerpen auf Tour und versucht dort, die Stücke zu finden, die den Frankfurter Kunden gefallen könnten. Einen Secondhandverkauf auf Kommission gibt es bei Vintage Soul nicht. Er wolle keinen Trends hinterherrennen, sagt der Händler.

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Modetrends sind ihm grundsätzlich wichtig, noch wichtiger aber ist ihm das Thema Nachhaltigkeit. An der Wand hat Tur Illustrationen aufgehängt, die den Unterschied zwischen Abfall- und Kreislaufwirtschaft erklären. Kunden seien daran sehr interessiert. „Gesellschaftlich stehen wir trotzdem noch ganz am Anfang“, meint er. Dazu passt, dass die gesamte Einrichtung von Vintage Soul gebraucht ist. Der Kassentresen wurde aus alten Radios zusammengebastelt. Der Name Vintage Soul wurde aus Leuchtschriftbuchstaben anderer Unternehmen kreiert und an die Wand gehängt.
Bei der Auswahl der Kleidung vertraute er seinem Bauchgefühl, sagt Tur. Er habe ein Gespür dafür entwickelt, was der nächste Trend werden könnte. Dafür müsse man sich nur anschauen, welche Serien als Nächstes liefen. Zuschauer in Deutschland würden sich gern mit Serienfiguren identifizieren und dann auch die Looks nachstellen. „Stranger Things war bei uns zum Beispiel ein
Riesenthema.“

Vintage Soul, Alte Gasse 6, Frankfurt; dienstags bis donnerstags 12 bis 18 Uhr sowie freitags und samstags 12 bis 19 Uhr.