An der Granze des Ertragbaren: Der neue ZDF-Krimi

Der Wolf spielt eine zentrale Rolle (Bild: ambquinn/pixabay)
Der Wolf spielt eine zentrale Rolle (Bild: ambquinn/pixabay)

Im neuen Samstagskrimi von ZDF und ServusTV geht es um Wölfe – trotzdem hat das ganze wenig Biss. Warum genau der Film langweilt und was das ZDF in Zukunft besser machen muss.

Von Montag bis Sonntag, von Sylt bis in die Alpen – Krimis sind das täglich Brot des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Mann könnte sogar sagen, es gäbe sie wie Sand am Meer, und schon am 28 Februar wird ein weiteres Sandkorn an den ZDF-Krimistrand gespült. In der ersten Folge des Garmisch-Krimis, einer Koproduktion von Bavaria Fiction und Satel Film, geht es um Wölfe und um die hitzigen Debatten, die ihre Präsenz in deutschen Wäldern mit sich bringt. Lokalen und globalen Konflikten eine Bühne geben, nennt Produzent Karsten Günther das.

Philine Schmölzer und Lavinia Wilson als neues Ermittlerteam in Garmisch

Konkret geht es um Daphne Meindl (Philine Schmölzer) und Ira Zach (Lavinia Wilson), die als ungleiches Ermittlerteam den Mord an einem Tierschützer aufklären wollen. Los geht es, als besagtem Tierschützer ein Wolfskopf per Post zugestellt wird. Daphne, in ihrer zartrosa Eigenart, wittert sofort eine Drohung, denn der erbitterte Konflikt zwischen den lokalen Kleinbauern und den Tierschützern muss ja irgendwann eskalieren. Die Polizeikollegen hingegen nehmen das Ganze nicht besonders ernst. Aber natürlich soll die idealistische Jungkommissarin recht behalten, denn kurze Zeit später ist der Tierschützer tot. Trotzdem verbleiben ihre Kollegen als Beiwerk, was die Charakter-konstellationen nicht gerade spannender macht. Ira Zach ist auch keine Verbesserung. Die Ex-Kommissarin, die aufgrund ihrer aggressiven Ermittlungsart und Konflikten mit ihren Kollegen das Amt niederlegen musste, darf zwar eigentlich gar nicht ermitteln, mischt sich aber trotzdem in den Fall ein, als sie erfährt, dass ihre Tochter mit den Tierschützern gemeinsame Sache macht. Die Liebsten schützen zu wollen ist zwar eine gute Eigenschaft, die aber ständig durch Iras selbstgerechtes Verhalten gegenüber anderen untergraben wird.

Im Bezug auf das Ermittlerduo wird dem Zuschauer zwar suggeriert, dass die beiden Ermittlerinnen eine jahrelange Freundschaft verbindet, aber von Chemie zwischen den zwei Frauen kann absolut nicht die Rede sein. Auch die anderen Beziehungen der beiden Hauptfiguren leiden unter ihrem großkotzigen und überheblichen Verhalten. Hinzu kommen die schleppenden, humorlosen Dialoge, durch die der Film doppelt so lang wirkt, wie er eigentlich ist. Selbst die Wendungen in der sehr voraussehbaren Handlung bringen keinerlei Spannung mit sich und der Nervenkitzel, der durch Einbrüche und Verfolgungsjagden erzwungen werden soll, lässt Ira komplett rücksichtslos und fahrlässig aussehen. Als Daphne sich dann endlich gegen dieses Verhalten wehrt, soll der Zuschauer das auch noch als Vertrauensbruch werten. An sich stolpern die beiden Ermittlerinnen eher über die Lösungen ihrer Probleme, statt scharfen Ermittlungssinn zu beweisen, was nicht gerade zum miträtseln oder gar mitfiebern einlädt.

Hinzu kommt, dass das vielschichtige Thema rund um Wolf und Naturschutz zwar zentral ist, aber kaum von einer neuen Perspektive beleuchtet wird. Jeder der Charaktere, mit Ausnahme der beiden Ermittlerinnen, dient als Sprachrohr für ein Lager in der Debatte und präsentiert die Ansichten seiner Partei plump und nuancenlos, ohne das jemals tiefgründigere Konversationen zwischen den Figuren entstehen. Niemand ändert seine Meinung, nirgends dient der Wolf als Metapher für größere Probleme, ob zwischenmenschlich oder politisch.

Trotz, dass man der Zuschauerschaft eine atmosphärische Erzählung ohne Klischees verspricht, scheitert „an der Grenze“ in beiden Aspekten. Egal, ob Handlung oder Charaktere, nichts tut mehr als es unbedingt muss, nichts überrascht, nichts überzeugt. Nicht einmal Garmisch selbst sieht im Krimi besonders gut aus. Und wer absolut nichts zur Krimi-Kultur beiträgt, der darf es auch gerne bei einer Folge belassen. Denn das Einzige, was hier tötet, ist die Langeweile.

Werden Sie diesen Samstag den neuen Garmisch-Krimi schauen?

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