Junge Menschen beteiligen sich so stark am Arbeitsmarkt wie seit Jahrzehnten nicht. Das legt eine aktuelle Studie nahe – und widerlegt Annahmen über die Gen Z. Von Annika Block.
„Wenn unsere Eltern mit dieser Mentalität an die Arbeit gegangen wären, die wir heute zum Teil sehen” – dann hätte Deutschland den heutigen Wohlstand nicht. Das meint zumindest Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Der CDU-Wirtschaftsflügel sprach derweil zuletzt von der „Lifestyle-Teilzeit”, der Anspruch solle eingeschränkt werden. Zu viele Menschen würden ihre Teilzeit nutzen, um sich aus der von der Politik hoch gepriesenen Leistungsgesellschaft zurückzuziehen und ihre Zeit für Freizeitaktivitäten zu nutzen.
Doch was ist dran an der angeblich schwindenden Arbeitsmoral? Und ist die neue Generation Z – also Personen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden – wirklich fauler?
Aufgeheizte Debatte um „Lifestyle-Teilzeit“
Kritik an der „Lifestyle-Teilzeit” wurde unter anderem von der Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Yasmin Fahimi, laut. Sie sagte der „Rheinischen Post”:
„Das Recht auf Teilzeit abschaffen zu wollen, ist der nächste Tiefpunkt einer Debatte, die mit der Lebensrealität der Menschen nichts zu tun hat.”
Yasmin Fahimi, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes
Unbezahlte Sorgearbeit und fehlende Kinderbetreuung etwa ließen zahlreichen Frauen keine Wahl, sie würden nicht freiwillig weniger arbeiten. Der CDU-Wirtschaftsflügel ruderte zurück, der Antrag trägt inzwischen die Überschrift „Teilzeitansprüche ordnen – Erwerbstätigkeit stärken”. Er ging ohne Diskussion am CDU-Parteitag am 20. Februar 2026 durch.

„Die jungen Leute sind fleißig wie lange nicht mehr”
Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeichnet ein anderes Bild. In einer Untersuchung heißt es: Junge Beschäftigte im Alter von 20 bis 24 Jahren beteiligen sich so stark am Arbeitsmarkt wie seit Jahrzehnten nicht. Von 2015 bis 2023 seien sowohl die Teilzeit- als auch die Vollzeitbeschäftigung stark gestiegen. Dabei arbeiten besonders Studierende in Teilzeit immer öfter, oft wird neben dem Lernen in Nebenjobs Geld verdient.
Enzo Weber, IAB-Forschungsbereichsleiter, sagt dazu:
„Dass die Generation Z viel fordert, aber wenig arbeitet, ist ein verbreitetes Vorurteil. Doch es ist falsch. Die jungen Leute sind fleißig wie lange nicht mehr.”
IAB-Forschungsbereichsleiter Enzo Weber
Burnouts bei jungen Beschäftigten
Ein Aspekt, der in der Debatte dabei oft nicht genug Berücksichtigung erfährt, ist der der mentalen Gesundheit. Im Gesundheitsreport der DAK-Krankenkasse aus dem vergangenen Jahr heißt es, viele junge Beschäftigte würden unter den Nachwirkungen der Covid-Pandemie sowie unter Generationenkonflikten leiden.
Das Robert-Koch-Institut hatte im Jahr 2024 festgestellt: Mehr als ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland litt unter mentalen Problemen. Besonders junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren wiesen mit 40 Prozent ein niedriges psychisches Wohlbefinden auf.
Das unterstreicht auch der DAK-Bericht: Depressionen, Angst- oder Belastungsstörungen seien laut der Studie besonders bei jungen Frauen unter 19 Jahren stark vertreten. Rund ein Drittel der weiblichen Beschäftigen und ein Fünftel der männlichen bekamen im Jahr 2023 die Diagnose einer psychischen Erkrankung.
Auch die Freie Krankenkasse hatte 2025 festgestellt, dass die Zahl der Burnout-Erkrankungen bei jungen Menschen stark nach oben ging. Zwischen 2018 und 2024 seien die Erkrankungen bei den 18- bis 34-jährigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern um 136 Prozent angestiegen. Die Zahl der Depressionen habe zudem um 36 Prozent in dieser Altersgruppe zugenommen.
Wunsch nach weniger Arbeit
Was sich in der Diskussion um die Arbeitszeit aber tatsächlich zeigt: Junge Menschen möchten weniger arbeiten als früher. Zu diesem Schluss kam das Institut der Deutschen Wirtschaft im Jahr 2024. Doch auch die älteren Beschäftigen wünschten sich weniger Arbeitszeit. Diese „Freizeitpräferenz” sei demnach altersunabhängig.
Quelle: mit Material von dpa, epd, AFP