Share this emailCopy the public link or share it on your favorite channel.

Liebe Cam Ops,

in Geschultert erwartet euch alle zwei Wochen ein Überlick an Neuheiten, Infos zu Technik und den Best Practices von erfahrernen One-Man-Bands genau wie von erprobten DoPs. Wissen für Profis aus der News- und Broadcastwelt

Die Themen:

1. Die beste Kamera, die keiner braucht: Sonys neue FX5


2. Altes Schlachtschiff: Sony FX9 - Was muss ein Nachfolger mitbringen?


3. Ich hab Rücken: Easy-Rig, Ergo-Rig und Cine-Saddle, wie halten die Wirbel am längsten?


4. Presse in die Fresse: Medienfeindlichkeit und was bei Drehs auf Demos, Parteitagen und der Fußgängerzone zu beachten ist!



Marco Ohmer
Chef Kamera-nerd, Domus News

Die beste Enttäuschung des Jahres: Sony FX5

Mann dreht mit Sony im Sonnenuntergang
Die FX5 war für viele die naheliegende Hoffnung auf eine moderne EB-Kamera zwischen FX6 und FX9. Mehr Leistung, aktueller Sensor, zeitgemäße Codecs – und vielleicht endlich die Funktionen, die im Alltag wirklich zählen.

Die Kamera ist ohne Frage gut geworden. Mehr Rechenleistung, ein moderneres Bedienkonzept und einige Detailverbesserungen machen sie zu einer starken Vollformatkamera. Der große Sprung bleibt allerdings aus. Viele der Neuerungen fühlen sich eher nach Modellpflege als nach echter Weiterentwicklung an.
Dabei wäre der Zeitpunkt für einen echten Generationswechsel eigentlich perfekt gewesen. Die Konkurrenz schläft nicht und gerade im Broadcast- und Dokumentarbereich entscheiden oft die kleinen Dinge über den Arbeitsalltag – nicht das letzte bisschen Auflösung oder ein weiterer Autofokus-Modus.

Vor allem eine Entscheidung dürfte viele Kollegen enttäuschen: Noch immer fehlen interne ND-Filter. Gerade im EB- und Doku-Alltag gehören variable ND-Filter mittlerweile zu den Funktionen, die den Unterschied machen. Wer ständig zwischen Innen- und Außenaufnahmen wechselt, möchte nicht jedes Mal mit Schraubfiltern oder einer Mattebox hantieren. Dass Sony darauf erneut verzichtet, dürfte für viele schwerer wiegen als die übrigen technischen Verbesserungen.

Am Ende bleibt die FX5 eine überzeugende Kamera, die vieles richtig macht und sich nahtlos in das bestehende Sony-Ökosystem einfügt. Wer bereits mit einer FX6 oder FX9 arbeitet, wird allerdings genau überlegen, ob die Neuerungen den Umstieg wirklich rechtfertigen. Gut ist sie ohne Frage – die erhoffte Revolution ist sie aber nicht.

Bildnachweis: Sony Pressematerial

Sony FX9 - Was muss ein Nachfolger mitbringen?

"Abbezahlt ist abbezahlt" mag sich manch einer Denken, der noch einen XDCAM oder P2 Brocken auf's Stativ hieft. Außerhalb der News-Bubble drehen mittlerweile die meisten Kollegen auf Vollformat und selbst Kunden, die eigentlich keinen wirklichen Bedarf an Hochglanz haben, fragen mittlerweile nach dem "Kino-Look".

Im EB-Segment hat sich bei den Großchipkameras Sony durchgesetzt. Überall FX9 und FX6! Aber gerade die 9 sitzt schon seit 2019 auf vielen Stativköpfen.

Die wichtigsten Anforderungen für einen Nachfolger:

Neuer Speicherkarten-Standard: XQD ist langsam und alt. CFExpress A oder B sind schneller und versprechen Kompatibilität mit der restlichen Sony Flotte.

Bessere ISO Performance: Sony zeigt selbst mit der FX6, dass es besser geht und nicht immer hat man Licht an board oder dreht in kontrollierten Umgebungen.

Gehäuse auf Burano-Niveau: Sonys hat bis hoch zum aktuellen Cine-Alta Lineup die flimsigsten Gehäuse aller Profi-Ausstatter. Wer von Canon oder selbst BlackMagic Design kommt, der wundert sich doch zu sehr über die Plastikgehäuse der teueren Cams.
Foto: Privat

Hilfen, die den Rücken entzücken

"Der Rücken macht nicht mehr mit." Irgendwann kommt fast jeder Kameramann an diesen Punkt. Moderne Cine-Kameras mögen kompakter geworden sein, leicht sind die meisten Setups deshalb nicht. Kamera, Objektiv, Akku, Monitor und Funk summieren sich schnell auf mehrere Kilogramm – und die wollen über Stunden bewegt werden.
Kein Wunder also, dass Hilfssysteme längst zum festen Bestandteil vieler Produktionen gehören. Die bekanntesten Vertreter: Easy-Rig, Ergo-Rig und Cine-Saddle. Alle sollen den Körper entlasten, setzen dabei aber auf völlig unterschiedliche Konzepte.
Das Easy-Rig verteilt das Kameragewicht über ein Seilzugsystem auf Hüfte und Oberkörper und ist besonders bei langen Drehtagen beliebt. Das Ergo-Rig bleibt näher am klassischen Schulter-Setup und stützt die Kamera zusätzlich über Brust und Hüfte ab. Das sorgt für mehr Stabilität, ohne die Beweglichkeit zu stark einzuschränken.
Einen anderen Ansatz verfolgt das Cine-Saddle. Der gepolsterte Sattel dient als flexible Auflage für Kamera und Arme – egal ob auf der Schulter, einer Mauer oder dem Autofenster. Gerade bei ungewöhnlichen Perspektiven oder langen Einstellungen sorgt das oft für eine spürbare Entlastung.
Welches System am Ende die beste Wahl ist, hängt weniger von der Kamera als vom eigenen Einsatzgebiet ab. Wer häufig aus der Hand dreht, wird andere Anforderungen haben als jemand, der überwiegend auf Interviews oder dokumentarische Produktionen spezialisiert ist. Einen Wundermittel für den Rücken gibt es nicht – aber jedes dieser Systeme kann den Unterschied machen, ob man nach zwölf Stunden noch aufrecht zum Auto läuft.

Halt die Presse! Sicher auf Demos und in der Öffentlichkeit

"Lügenpresse!" Kaum ein anderer Begriff ist für viele Kolleginnen und Kollegen so alltäglich geworden wie dieser. Ob Demonstration, Parteitag oder Fußgängerzone – der Ton gegenüber Medien ist rauer geworden und aus verbalen Anfeindungen werden leider immer wieder auch körperliche Übergriffe.
Umso wichtiger ist eine gute Vorbereitung. Wer auf Demonstrationen dreht, sollte immer im Blick behalten, wo sich Fronten bilden und vermeiden, zwischen die Lager zu geraten. Ebenso sinnvoll: Schon vor Beginn Kontakt zur Polizei aufnehmen und den Presseausweis vorzeigen. Im Ernstfall erleichtert das die Zusammenarbeit und hilft, als Journalist erkannt zu werden.
Auch vor Ort gilt: Nicht alleine arbeiten. Kolleginnen und Kollegen können vor Gefahren warnen, Übergriffe dokumentieren und im Notfall unterstützen. Genauso wichtig ist es, die eigenen Rechte zu kennen. Demonstrationen und Polizeieinsätze dürfen grundsätzlich dokumentiert werden – auch wenn das vor Ort nicht immer gerne gesehen wird.
Am Ende tragen aber nicht nur Reporter Verantwortung. Auch Redaktionen und Medienhäuser sind gefragt, ihre festen und freien Mitarbeitenden besser zu schützen