|
Liebe Leserinnen und Leser,
wer Rom besucht, kann sich wie viele der rund 23 Millionen Touristen jährlich dem Zauber der Stadt kaum entziehen. Man verliert sich in den Gassen um den belebten Wochenmarkt am Campo de'Fiori, staunt zum wiederholten Mal über die hohe Säulenfront des Pantheons und flaniert abends durch das Ausgehviertel Trastevere. Manchmal tut es allerdings gut, dem Lärm der Vespas, den Touristenmassen und dem buckligen Kopfsteinpflaster für kurze Zeit zu entfliehen.
|
Wer den Grande Raccordo Anulare, den 68 Kilometer langen Autobahnring Roms, hinter sich lässt und Richtung Norden unterwegs ist, entdeckt die von vielen Touristen oft übersehene Nachbarschaft der italienischen Hauptstadt: die Region Latium (italienisch Lazio). Auf rund 17.200 Quadratkilometern ist sie eingebettet zwischen dem Thyrrenischen Meer, den bergigen Landschaften des Appenins und den im Osten angrenzenden Regionen Umbrien, Abruzzen und Molise. Im Norden grenzt die Region mit ihren etwa 5,7 Millionen Einwohnern an die Toskana.
|
In der heutigen Ausgabe dieses Reise-Newsletters geht es um drei Ausflugsziele abseits der großen Touristenattraktionen Roms, für die es sich lohnt, über den Tellerrand zu schauen.
|
Also, packen Sie festes Schuhwerk und eine große Portion Neugier ein, wir verlassen die ausgetretenen Pfade Roms. Andiamo!
|
|
Redaktion „Giro d'Italia“
|
|
|
|
|
Eine Bitte noch: Dieses Projekt lebt von Ihren Empfehlungen. Berichten Sie gerne in Ihrem Bekanntenkreis vom „Giro d'Italia“-Newsletter. Oder leiten Sie ihn einfach mit einer kurzen Empfehlung weiter. Die Anmeldung ist unkompliziert möglich unter http://werkstatt.js-mainz.net - oder über den Button gleich unter diesem Text.
|
|
|
|
|
|
Das erwartet Sie in dieser Ausgabe:
|
-
Tivoli
-
Ostia Antica
-
Lago Albano
|
|
|
Tivoli
|
|
Blick auf Tivoli, das an einem Hang der Tiburtiner Berge etwa 30 Kilometer von Rom entfernt liegt. (Foto: Nina Gross)
|
|
Schon Goethe schwärmte 1787 von den rauschenden Wasserfällen und antiken Ruinen Tivolis:
|
|
|
|
„Diese Tage war ich in Tivoli und habe eins der ersten Naturschauspiele gesehen. Es gehören die Wasserfälle dort mit den Ruinen und dem ganzen Komplex der Landschaft zu denen Gegenständen, deren Bekanntschaft uns im tiefsten Grunde reicher macht.“ (Johann Wolfgang von Goethe im Juni 1787)
|
|
Auf einem Hang der Tiburtiner Berge gelegen, diente die Stadt den Römern schon in der Antike als kühler Zufluchtsort vor der sommerlichen Hitze der Hauptstadt. Die spektakuläre Kulisse zog über die Jahrhunderte hinweg nicht nur die römische Oberschicht, sondern auch Dichter und Künstler an.
|
Noch heute lassen sich gleich drei bedeutende Villen und Parkanlagen besichtigen: Kaiser Hadrians weitläufige Sommerresidenz Villa Adriana aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., die Villa d’Este mit ihren Wasserspielen, die heute UNESCO-Welterbe ist, sowie die Villa Gregoriana mit ihrer steil abfallenden Schlucht und einem beeindruckenden Wasserfall.
|
|
Wer noch weiter in die Geschichte eintauchen möchte, schlendert durch die mittelalterliche Altstadt, besichtigt den antiken Tempelkomplex des Hercules Victor oder staunt über die mächtige Festung Rocca Pia.
|
|
|
|
Der Canopus, ein Säulengang in der Villa Adriana in Tivoli. (Foto: Nina Gross)
|
|
|
|
Ostia Antica
|
|
Das Capitolium: als Tempel eines der wichtigsten öffentlichen Gebäude in Ostia Antica. (Foto: Nina Gross)
|
Zugegeben, Ostia Antica gehört offiziell zum Municipio Roma X, ist also Teil des zehnten Stadtbezirks im äußersten Südwesten Roms. Die antike Hafenstadt und Handelsmetropole liegt damit aber trotzdem in der Region Latium und ist lange nicht so überlaufen wie etwa das Forum Romanum oder das Kolosseum in der Hauptstadt. Im Jahr 338 v. Chr. von den Römern gegründet, ist die Ausgrabungsstätte heute ein weitläufiger Park über 34 Hektar, gesäumt von Pinienbäumen und Zypressen.
|
Ostia Antica war zunächst eine strategische Militärsiedlung, mit der sowohl Rom geschützt, als auch der Seehandel kontrolliert werden sollte. So entstand schnell ein wichtiger Stützpunkt für die Seeflotte und Ostia wurde zur Hafenstadt. Zu Hochzeiten unter der Regentschaft von Kaiser Hadrian wohnten dort etwa 50.000 Menschen. Doch Versandung des Hafens sowie der Niedergang des Römischen Reiches führten zum schleichenden Verfall, bis die einst blühende Metropole im Frühmittelalter schließlich gänzlich aufgegeben wurde.
|
Heute ist vieles überdurchschnittlich gut erhalten: Entlang der antiken Hauptstraße Decumanus Maximus passiert man mehrstöckige Mietshäuser, antike Garküchen mit marmornen Theken sowie Bäderanlagen mit kunstvollen Schwarz-Weiß-Mosaiken. Inmitten von Ostia Antica steht ein imposantes Amphitheater, das heute noch etwa für Konzerte genutzt wird.
|
|
Vom Stadtzentrum Roms aus ist Ostia Antica gut mit dem Auto, aber auch mit der S-Bahn erreichbar. Montags ist das Gelände geschlossen.
|
|
|
|
Berühmt ist Ostia Antica für die meist sehr gut erhaltenen Mosaike. (Foto: Nina Gross)
|
|
|
|
|
Italien in den deutschen Medien - Lesetipp der Woche
|
Mussolini und das größte Ich der Nation
|
Thomas Steinfeld von der Süddeutschen Zeitung beleuchtet in seiner Besprechung von Antonio Scuratis monumentaler Roman-Biografie „M“, wie der Autor den Aufstieg, Wahn und Niedergang Benito Mussolinis schonungslos nachzeichnet. Zum SZ-Artikel geht es hier entlang.
|
|
|
|
Lago Albano
|
|
Blick auf den Lago Albano. (Foto: Nina Gross)
|
Ruhig und tiefblau liegt das Wasser des Lago Albano, zu Deutsch Albaner See, eingebettet in die Hügel knapp 25 Kilometer südöstlich von Rom. Entstanden ist das Gewässer in einer Vertiefung eines urzeitlichen Vulkankomplexes. Bereits in der Antike zog der rund sechs Quadratkilometer große und bis zu 170 Meter tiefe See vornehme Patrizier und Kaiser an, die sich an seinen bewaldeten Ufern prachtvolle Sommersitze errichteten.
|
Das Landschaftsbild wird vom Städtchen Castel Gandolfo geprägt, das auf dem Kraterrand thront und vor allem für den Apostolischen Palast und dessen Barockgärten bekannt ist, die lange Zeit als Sommerresidenz der Päpste dienten. Im Fels verbirgt sich ein Stück antike Ingenieurskunst: Der Emissario del Lago Albano, ein fast 1,4 Kilometer langer unterirdischer Abflusstunnel, den die Römer von 398 bis 396 v. Chr. errichteten, um den Wasserstand des Sees konstant zu halten.
|
|
Entlang des Ufers laden Badestrände und zahlreiche Restaurants mit Blick auf den See zum Verweilen ein. Sporthistorisch besitzt das Gewässer ebenfalls Bedeutung, denn im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 1960 in Rom wurden auf dem See die Ruder- und Kanurennen ausgetragen.
|
|
|
|
Guardare oltre il proprio orticello
|
[ɡwarˈdareˈʔɔltre ilˈprɔprjo ortiˈʧɛllo]
|
|
wörtlich: über den eigenen kleinen Gemüsegarten hinausblicken
|
|
Während im Deutschen oft der Tellerrand herhalten muss, um den eigenen Blick für Neues zu weiten, greift die italienische Sprache auf den kleinen eingezäunten Gemüsegarten („orticello“) zurück.
|
|
|
|
|
In der nächsten Ausgabe von „Giro d'Italia“ widmet sich die Redaktion einer Großstadt in Kampanien, die ob ihres lauten und chaotischen Charakters entweder geliebt oder gehasst wird: Es geht nach Neapel. Warum es sich lohnt, 42 Meter tief in die Katakomben des Stadtheiligen San Gennaro abzusteigen und wie das den Kampf der sozialen Initiative „La Paranza“ gegen Armut und Gewalt unterstützt, lesen Sie in der kommenden Woche.
|
|
|
|
|