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Liebe Genießer und Genießerinnen,
willkommen zu meinem neuen Newsletter: Kai trinkt deutschen Fine Wine
Wie vielfältig und vor allem: wie gut ist deutscher Wein in den letzten Jahren geworden?
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Die Zeiten, in denen sich Bundeskanzler auf Staatsempfängen nicht getraut haben, deutsche Weine auszuschenken gehören der Vergangenheit an. Deutsche Spitzenweine finden sich längst wieder auf den exklusivsten Weinkarten der Welt, egal ob in New York, in Singapur oder in Sydney.
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Zu lange etablierten Produzenten und Produzentinnen wie Egon Müller, Georg Breuer und Dr. Bürklin-Wolf stoßen immer mehr hochspannende Newcomer und Newcomerinnen wie Moritz Kissinger, Eva Fricke oder die Seckinger Brüder aus der Pfalz.
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Natürlich dominiert die Rebsorte Riesling die deutschen Spitzenweine, doch auch bei weiteren Rebsorten finden erstaunliche und erfreuliche Entwicklungen statt: Feinste Spätburgunder von Rudolf Fürst kommen aus Franken, es gibt Chardonnay aus Baden von Julian Huber, der es spielend mit dem Burgund aufnehmen kann und in Rheinhessen wächst bei Carsten Saalwächter spektakulärer Grand-Cru Silvaner.
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Die vielen Eindrücke, die ich beim regelmäßigen Verkosten deutscher Top-Weine erlebe, möchte ich euch gerne in einem monatlichen Newsletter vorstellen!
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Das Konzept ist simpel: Jeden Monat stelle ich euch vier deutsche Weine vor, die ich kürzlich verkostet habe und von denen ich finde, dass ihr sie auch kennenlernen solltet. Die vier Weine sind den vier Kategorien "Klassiker", "Überraschung", "Preis/Genuss" und "Rotwein" zugeordnet. Dabei bemühe ich mich, die deutschen Anbaugebiete zu variieren.
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Zur meiner Vorstellung der Weine gehören immer einige Grundinformationen über den Wein und das Weingut, Verkostungsnotizen und eine Verlinkung, damit ihr den Wein online erwerben könnt (unentgeltlicher Service, ich werde nicht an etwaigen Käufen beteiligt).
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Jetzt wünsche euch viel Spaß beim Lesen der ersten Ausgabe und vielleicht ja auch bei der anschließenden Verkostung der Weine! Zum Wohle!
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Schreibt mir gerne, wie euch die Weine gefallen haben. Über Wünsche und Empfehlungen für die vier Kategorien freue ich mich ebenfalls sehr!
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Im Juni möchte ich euch gerne diese vier Weine vorstellen:
- Der Klassiker: Schloss Johannisberg Riesling Spätlese "Grünlack" (Rheingau)
- Die Überraschung: Chat Sauvage Chardonnay "Clos de Schulz" (Rheingau)
- Der Preis/Genuß-Wein: Wittmann Grauer Burgunder VDP-Gutswein (Rheinhessen)
- Der Rotwein: Zehnthof Luckert Spätburgunder Maustal VDP-Großes Gewächs (Franken)
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Der Klassiker: Schloss Johannisberg Riesling Spätlese "Grünlack" (Rheingau)
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Die Riesling-Spätlese von Schloss Johannisberg ist ein würdiger erster "Newsletter-Klassiker". Warum? Weil auf Schloss Johannisberg - der Legende nach - im 18. Jahrhundert die Spätlese "erfunden" wurde. Ein Bote aus Fulda hatte sich verspätet, daher durfte vor Ort erst einige Wochen später als üblich mit der Lese der Rieslingtrauben (ältestes Riesling-only-Weingut der Welt!) begonnen werden. Das Ergebnis dieser historischen Anekdote ist die wunderbare Harmonie aus vollreifen, fruchtsüßen Trauben (76,7g Restsüße / Liter), messerscharfer Säure (8,9g / Liter) und der komplexen Minieralität des Taunus-Quarzit. Acht Volumenprozent Alkohol machen diese Spätlese - großzügig runter gekühlt - zu einem besonderen Genuss im Hochsommer.
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Verkostungsnotiz: Intensiver Duft nach Mirabelle, süßer Zitrusfrucht, Pomelo, Melone,
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Orangen und Mandarinenschale, ebenso ätherische Noten wie
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Zitronenmelisse. Anklänge von kühler Exotik. Am Gaumen kandierte Zitrone, Passionsfrucht und ätherisch mit frischer Minze. Wohl dosierte Fruchtsüße die perfekt ausbalanciert wird von der präzisen Säure. Filigrane, dennoch dichte Spätlese. Saftiges, fast samtiges, Mundgefühl.
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Den Jahrgang 2022 hat Stuard Pigott für James Suckling übrigens mit 99 Punkten bewertet: "Das Bouquet dieser Spätlese erinnert mich an Kupferstiche aus dem 18. Jahrhundert, die Birnen- und Weißpfirsichsorten darstellen – das ist jedoch nur ein Hinweis auf die umhüllende und erstaunlich feine Frucht, die sich am Gaumen entfaltet. Ein Meisterwerk an Finesse, Präzision und Balance, aber selbst das sagt nicht das Wichtigste aus: die atemberaubende blättrige Frische und steinige Klarheit im verblüffend langen Abgang. Wann wird das jemals enden? Aus biologisch angebauten Trauben. Jetzt trinken oder lagern."
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Unter anderem hier zu bekommen:
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Die Überraschung: Chat Sauvage Chardonnay "Clos de Schulz" (Rheingau)
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Ein Chardonnay aus den Rheingau? Aus einem Anbaugebiet, in dem mehr als 80 Prozent Riesling angepflanzt wird? Ist es dort nicht zu kalt? Nein, der Klimawandel macht Chardonnay auch in den nördlicheren Anbaugebieten möglich und das Weingut Chat Sauvage aus Johannisberg geht sowieso einen eigenen Weg. Der Hamburger Kaufmann Günther Schulz hat sich mit Chat Sauvage im Jahr 2000 den Traum von einem eigenen Weingut erfüllt. Das besondere: Mitten im Rheingau werden ausschließlich Chardonnay und Pinot Noir angebaut. Ein kleines Stück Burgund am Rhein! Seit Herbst 2016 leitet Verena Schöttle den Betrieb. Außerdem ist sie für den Ausbau der Weine verantwortlich und seit 2019 Miteigentümerin des Weinguts. Die Pinot Noirs, die ganz im burgundischen Stil gehalten sind, begeistern insbesondere die gehobene Gastronomie als perfekte Speisebegleiter.
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Mein Highlite war aber letzten Monat der "Clos de Schulz" Chardonnay. Dieser reift in teils neuen, teils mehrfach belegten Barrique-Fässern. Die Kritiker des tollen Burgunder-Jahrgangs 2022 bringen es auf den Punkt: „ Der Clos de Schulz Chardonnay gehört in diesem Jahr wieder zu den besten Weinen des Rheingaus. Er zeigt Aromen von Pfeifentabak, Vanille, Karamell und gelben Früchten, ist sehr cremig, druckvoll, lang und füllig.“ (Eichelmann). Der Fallstaff-Guide schreibt: "Im Duft frisch geriebene Zitronenschale, Kokosflocken, dezenter Holzeintrag. Im Mund sind feinkörnige, dichte Phenole in einen geschmeidigen Fond eingepasst, deutlich mineralische Untertöne geben dem durchaus kraftvollen Bau Balance. Stilistisch sehr eigenständig.“ und vergibt 95/100 Punkten.
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Der Wein ist direkt über das Weingut erhältlich - leider werden nur kleine Mengen "Clos de Schulz" produziert und somit nicht im großen Stil vertrieben:
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Der Preis/Genuss-Wein: Wittmann Grauer Burgunder VDP-Gutswein (Rheinhessen)
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Ich bin ganz ehrlich: Grauburgunder wird man in diesem Newsletter-Format nicht allzu oft finden. Es gibt einfach wenig Grauburgunder in Deutschland, der qualitativ über den recht beliebigen Terassenwein hinausgeht. Aber es gibt ihn! Gerade im Einstiegssegment beim Weingut Wittmann aus Westhofen in Rheinhessen. Wittmann ist mit Sicherheit einer der zehn besten Produzenten in ganz Deutschland. Seine Absatzmärkte liegen längst hunderte wenn nicht tausende Kilometer von der rheinhessischen Idylle entfernt, in der seine biodynamischen Weine wachsen.
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Die Trauben für diesen Grauburgunder stammen aus Weinbergen in Westhofen. Dort gibt es überwiegend tiefe Tonböden mit einem gewissen Kalksteinanteil. Alles Handlese, dann Spontanvergärung. Der Ausbau erfolgt im großen Holzfass, das ist für Grauburgunder besonders, denn oft liegen diese nur kurz im Stahltank. Duft nach würzigem Sommerapfel, Kumquat und Nektarine. Der Wein ist tief, würzig, saftig, reif mit einem feinen Hauch Bitterorange und etwas Melone. Der Wittmann-Grauburgunder ist einerseits elegant und fein, hat aber anderseits auch genau den Druck und die Kraft, die für einen Grauburgunder aus Rheinhessen so typisch sind. Großes Trinkvergnügen - nicht nur auf der Terrasse, sondern auch als recht universeller Speisebegleiter. Mit knapp 15 Euro nicht günstig für einen Gutswein, aber man bekommt wohl kaum sonst irgendwo in Deutschland so viel Grauburgunder für das Geld.
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Außerdem ist der tolle 2023 Jahrgang gerade auf zehn Euro reduziert (ab sechs Flaschen):
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Mein Tipp: Zu dem Preis sollte man sich am besten gleich zwei bis drei Kartons in den Keller legen!
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Der Rotwein: Zehnthof Luckert Spätburgunder Maustal VDP-Großes Gewächs (Franken)
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Wie im Intro dieses Newsletters bereits erwähnt, bin ich fest davon überzeugt, dass einige der größten deutschen Spätburgunder bzw. Pinot Noirs aus dem Anbaugebiet Franken stammen. Dieses kleine Anbaugebiet ist gefühlt immer etwas unter dem Radar oder wird ausschließlich mit Silvaner im Bocksbeutel assoziiert. Aber zwei fränkische Weingüter produzieren überragende Rotweine von internationalem Spitzenformat: Rudolf Fürst und Zehnthof Luckert. Ganz besonders möchte ich euch diesen Monat das 2020 Maustal Große Gewächs von Luckert empfehlen:
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Das Maustal ist eine nur vier Hektar kleine Steillage südlich von Sulzfeld mit einem kargen Muschelkalk-Boden. In 2020 gab es Frostschäden in Sulzfeld, daher nur sehr niedrige Erträge. Lucket hat sich in diesem Jahrgang dazu entschieden, die Trauben komplett zu entrappen. Dann folgt eine spontane Vergärung ohne Kaltmazeration und etwa 14 Tage auf der Maische. Nach dem Pressen dann eine gewisse Sedimentation der gröberen Hefe und mit der Feinhefe geht es für ein- bis eineinhalb Jahre zum Ausbau ins Barrique. Man sieht schon, was alles in diesem großen Rotwein steckt!
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Die Nase ist relativ hell in der Aromatik, es geht weg von der Würze und hin zur Frucht und zur Duftigkeit: dunkelrote Kirsche, Lavastein, Lorbeer, auch ätherische Töne wie Pinien oder Eukalyptus. Im Mund dann saftig und kirschig mit tollem Grip. Aus den alten Reben kommt viel Phenolik und Tannin, was aber total feinkörnig und samtig ist.
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Der Decanter gibt 94/100 Punkten: This Pinot Noir shows well now, thanks to the warmer year of 2020 and a longer time to mature. It surprises with ripe, juicy and expressive cherry fruit. The tannins are polished with a silky texture, but still show tension.
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Den 2020 Maustal gibt es nur noch vereinzelt, aber zum Beispiel hier:
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