Frankfurt: Jugendkirche lockt mit Techno-Beats

eine Hand schwebt über einem DJ-Pult. Auf dem Pult sind viele Knöpfe zu sehen, einige Flächen leuchten orange.
Ein DJ sorgte in der St.-Bonifatius-Kirche für Stimmung. (Pixabay/Pexels)

Der erste Gottesdienst mit elektronischer Musik in der St.-Bonifatius-Kirche setzt auf Bass und Atmosphäre. Aber nicht alle sind Fan davon, dass ein DJ die Orgel ersetzt.

Als Pfarrer Werner Otto am Freitagabend die Türen zur St.-Bonifatius-Kirche öffnet, scheint nicht etwa das Licht von Kronleuchtern oder Kerzen aus dem Gebäude. Stattdessen sehen die ersten wartenden Gottesdienstgäste violettes, blaues und grünes Licht, projiziert an die Wände im Inneren. Die Beleuchtung wird im Laufe des Abends nicht das einzige Besondere bleiben, denn die Jugendkirche Jona hat zum ersten Techno-Gottesdienst der katholischen Gemeinde in Sachsenhausen eingeladen.

Beats ersetzen Orgel-Klänge

Vor allem Jugendliche sind gekommen, um sich das „Experiment“, wie Werner Otto den Techno-Gottesdienst nennt, anzuschauen. Aber auch eine junge Familie interessiert sich für den Gottesdienst: „Ich finde es interessant, Kirchenmusik und Techno zu verbinden“, sagt Nikolina Euteneuer. Ihr Mann Felix pflichtet ihr bei. Beide hören die Musik in ihrer Freizeit, außerdem sind sie Mitglieder in der Gemeinde. Nur mit den Kindern könne es schwierig werden, wegen der Lautstärke, sagt Felix Euteneuer. Eine Sorge, die unbegründet bleiben wird.

Was haltet ihr davon, Techno-Beats in Gottesdienste einzubauen?

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Pünktlich um 18 Uhr weichen dann die atmosphärischen Klänge, die schon zuvor durch das steinerne Gemäuer der Kirche hallen, den ersten Beats, da, wo sonst die Orgel eingesetzt hätte. Als der Pfarrer das Konzept des Gottesdienstes erklärt – keine Predigt, weniger gesprochene Gebete, dafür ein größerer Fokus auf Musik und Atmosphäre –, wird seine Stimme eins mit den Klängen im Hintergrund. Als der nächste Track beginnt, verteilt ein Messdiener Knicklichter.

Liturgie wie im normalen Gottesdienst

Trotz des neuen musikalischen Konzepts ähnelt die Liturgie der eines normalen Gottesdienstes. Die Besucherinnen und Besucher bekreuzigen sich, auch die Fürbitte findet ihren Platz. Dort, wo in einem Song des schwedischen DJs Avicii der Gesang eingesetzt hätte, leitet der Pfarrer zum Abendmahl über.

Ich glaube ja, dass Gottesdienste ästhetische Gesamtkunstwerke sind.

Werner Otto, Pfarrer der St.-Bonifatius-Gemeinde

Pfarrer Werner Otto findet das Experiment des Techno-Gottesdienstes spannend. „Ich glaube ja, dass Gottesdienste ästhetische Gesamtkunstwerke sind“, sagt er. Oft sei die Ästhetik wichtiger als die Textbotschaft, weswegen auch Musik, Atmosphäre und Stimmung den Inhalt transportieren könnten. Wenn der Pfarrer trotzdem das gesprochene Wort nutzt, wechselt er zwischen deutlichen Worten über ruhiger Musik und leiser Sprache, die mit Beats und Bässen verschwimmt.

Bekannte Lieder in neuem Gewand

Auch klassische Kirchenmusik, wenn auch in neuem Gewand, darf an diesem Abend nicht fehlen. Als DJ Lukas Sünder einen Techno-Remix von „Maria durch ein Dornwald ging“ spielt, schauen einige Gottesdienstbesucher:innen kurz verdutzt auf, lachen, wippen aber bald mit. Kurz vor Ende des Gottesdienstes, der tatsächlich mit wenig Sprache auskommt, spielt der DJ „Turn the Lights Off“ – ein Song, der zuvor auf Tiktok viral ging.

„Die elektronische und atmosphärische Musik hat gepasst, die Tanzmusik eher nicht“, sagt Felix Euteneuer. Nikolina Euteneuer ergänzt, dass ihr ein paar Worte dazu gefehlt hätten, wie Musik eine Verbindung zu Gott herstellen kann. Die Atmosphäre hat den beiden dennoch gefallen, der Gottesdienst sei lockerer gewesen. Auch den Jugendlichen gefällt der experimentelle Gottesdienst. Philipp findet, dass die Lichtreflektionen gut gestaltet waren, Jana stimmt ihm zu.