„Kühe dürfen auch in Reha“: Auszeichnung für Donnersberger Milchbetrieb

Freuen sich über den Preis für die hervorragende Qualität ihrer Milch: Steffen Schreck, Inhaber des Betriebs auf dem Felsbergerhof, und seine Lebensgefährtin Maike Brendel, hier zusammen mit den Töchtern Mila und Finja, Hündin Leija sowie einigen der rund 300 Kühe. Foto: Jonas Driedger
Freuen sich über den Preis für die hervorragende Qualität ihrer Milch: Steffen Schreck, Inhaber des Betriebs auf dem Felsbergerhof, und seine Lebensgefährtin Maike Brendel, hier zusammen mit den Töchtern Mila und Finja, Hündin Leija sowie einigen der rund 300 Kühe. Foto: Jonas Driedger

Auf dem Felsbergerhof führt Familie Schreck ihren Milchbetrieb in fünfter Generation. Das Wohl der Tiere steht dort im Vordergrund. Warum das für die Milchproduktion wichtig ist. Von Jonas Driedger.

Der zur Ortsgemeinde Imsweiler gehörende Felsbergerhof hat einiges zu bieten. Da ist zum einen die perfekte Aussicht auf den Donnersberg. Zum anderen gibt es dort den Hof der Schrecks. Der Betrieb hat kürzlich einen Preis für seine Milchqualität bekommen. „Wir haben uns sehr darüber gefreut“, sagt Maike Brendel, Lebensgefährtin von Inhaber Steffen Schreck, über die Auszeichnung. Sie sei gerade bei der Arbeit gewesen, als der Anruf mit der frohen Botschaft kam.

Verliehen wird der „Preis für hervorragende Milchqualität“ alle zwei Jahre von den Molkereien Arla und Hochwald an 20 Betriebe aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Um in die engere Auswahl zu kommen, müssen die Produzenten verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört etwa die Teilnahme an einer freiwilligen Qualitätsprüfung. Weitere Kriterien: die Eutergesundheit der Kühe, eine tiergerechte Haltung und eine nachhaltige Produktion.

Familienbetrieb besteht seit 1890

Der Betrieb auf dem Felsbergerhof ist ein klassisches Familienunternehmen: Er wird mittlerweile in fünfter Generation geführt. Steffen Schrecks Ururgroßvater hat den Hof 1890 gekauft. Heute sind Steffen und seine Mutter Elke Schreck die Inhaber. Auch seine Großmutter Ruth Willrich wohnt auf dem Hof, hat bis Anfang des Jahres trotz ihrer mittlerweile 88 Lebensjahre noch mitgeholfen. Maike Brendel ist seit 2014 dabei. Sie begeistert sich besonders für die Zucht, die neben der Milchproduktion auf dem Felsbergerhof betrieben wird. Insgesamt leben hier rund 300 Tiere, davon etwa 100 Milchkühe.

Haben’s gemütlich: die Kälber im neuen Stall für die Jungtiere. Im Hintergrund ist der
wärmende »Kälberhimmel« zu sehen. Foto: Jonas Driedger

Das Wohl der Tiere steht für Maike Brendel und Steffen Schreck im Vordergrund. „Das ist wie eine Familie hier“, sagt Schreck und zeigt dabei auf seine Milchkühe. Es sei daher immer besonders schwer, sich von Kühen zu trennen, die keine Milch mehr geben. Wenn ein Tier mal krank sei, werde es deshalb nicht gleich zum Schlachthof geschickt. „Die Kühe dürfen auch in Reha gehen“, betont Maike Brendel. Die Gesundheit der Kühe sei ihr wichtiger als die reine Milchleistung.

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„Kälberhimmel“ sorgt für Wärme

Das Futter der Tiere besteht hauptsächlich aus Gras und Mais – beides wird auf dem Felsbergerhof angebaut und regelmäßig auf seine Inhaltsstoffe geprüft. Die gute Qualität zeige sich auch an seinem fruchtigen Geruch, erklärt Maike Brendel. Dass der Hof für seine Milch ausgezeichnet wurde, „ist nicht allein unser Verdienst“, sagt Brendel. Bei der Arbeit wird die Familie von fünf Mitarbeitern unterstützt. Genug zu tun gibt es immer: Jeden Morgen um 5 Uhr müssen die Kühe gemolken werden, das dauert etwa drei Stunden. Nachmittags, gegen 16.30 Uhr, wird diese Prozedur noch einmal wiederholt.

Besonders viel Betreuung brauchen die Kälber. Ihr Stall wurde gerade erst ausgebaut. Nun haben die Jungtiere einen „Kälberhimmel“ – eine kleine Überdachung, unter der sie es wärmer haben. „Hier werden die Weichen gestellt“, betont Maike Brendel. Für die Eutergesundheit der Kühe sei es wichtig, dass sie schon als Kälber gesund aufwachsen. Dafür bekommen sie zweimal am Tag frische Milch; insgesamt trinkt ein Kalb jeden Tag 14 Liter. Jede Woche muss zudem das Stroh ausgetauscht werden.

Geburtenalarm auf dem Handy

Maike Brendel ist überzeugt, dass die Arbeit sich für das Wohl der Tiere lohnt. Mittlerweile können die Kühe jederzeit auf die Koppel außerhalb des Stalls. Auch dank dieses Auslaufs sei die Milchproduktion um zwei Liter pro Tag gestiegen. Auch die Kunden, die von den Schrecks Zuchttiere kaufen, seien stets zufrieden. „Mich macht das sehr stolz, wenn ich höre, dass unsere Kühe auch in anderen Ställen funktionieren“, sagt Brendel. Gerade erst sei eine Kuh an einen Betrieb in Bayern verkauft worden.

Eine der Kühe lässt sich das Futter schmecken, das Familie Schreck auf dem Felsbergerhof anbaut.
Foto: Jonas Driedger

Für die Zucht müssen die kalbenden Kühe auf dem Hof überwacht werden. Denn manchmal könne es mit der Geburt ganz schnell gehen, schildert Steffen Schreck. Er bekommt eine Meldung auf das Handy, wenn eine Geburt ansteht. In einer App, verbunden mit einem Bolus im Magen der Kuh, kann Schreck zudem verschiedene Daten sehen: zum Beispiel, wie viel das Tier an einem Tag getrunken hat. Kalt ist es den Kühen auch bei winterlichen Temperaturen übrigens nicht – im Gegenteil: Am wohlsten fühle sich eine Kuh bei einer Temperatur zwischen minus fünf und 15 Grad Celsius, erläutert Maike Brendel. „Solange sie Wasser und Futter haben, ist denen alles egal.“

Die Auszeichnung ist Ansporn

Dass durch die Arbeit auf dem Hof nur selten Zeit für Urlaub bleibt, sei kein Problem, sagt Steffen Schreck: „Wir sind glücklich, solange hier alles rund läuft.“ Die Töchter Mila und Finja zeigten viel Verständnis, wenn ihre Eltern mal weniger Zeit haben, sagt Maike Brendel. Dank der Unterstützung ihrer Mitarbeiter habe sich die Familie im vergangenen Jahr aber auch mal eine zehntägige Auszeit im Allgäu nehmen können.

Den Preis sehen Schreck und Brendel als Ansporn: „Das Ziel ist, die Auszeichnung nochmal zu bekommen“, betont Maike Brendel. Über Schwierigkeiten in der Branche wie den sinkenden Milchpreis will sie sich nicht beklagen – darüber werde ohnehin schon genug gesprochen. Und schließlich habe man sich bewusst für diese Arbeit entschieden. „Weil es uns Spaß macht“, sagt Brendel, „wir lieben das, was wir machen.“