In Limburg sollen nach einer Abstimmung Tauben im großen Stil getötet werden. In Rheinland-Pfalz setzen viele Städte indes auf friedliche Kontrollmethoden. Von Jonathan Gerbig.
Vollgekackte Bahnhöfe, stetiges Gurren und Metall-Spikes: Tauben sind aus dem Stadtbild der meisten Großstädte nicht wegzudenken. Einige Versuche, die Vögel fernzuhalten, gehen laut Tierschützern jedoch deutlich zu weit – so beispielsweise die Tötungspläne in Limburg.
Ein Grund für die steigende Tauben-Population in vielen Städten ist der Klimawandel, erklärt ein Pressesprecher der Stadt Ludwigshafen. Der Verein Stadttaubenhilfe Mainz/Wiesbaden e. V. nennt den angezüchteten Brutzwang als Grund für die Überpopulation.
In deutschen Städten gibt es unterschiedliche Ideen, wie man mit den Vögeln umgehen sollte. Die hessische Stadt Limburg macht derzeit Schlagzeilen mit dem Vorhaben, die Tauben töten zu lassen. Bei einem Bürgerentscheid am Sonntag (9. Juni 2024) beschlossen die Einwohner Limburgs, dass ein Falkner die Stadttauben in den kommenden zwei Jahren betäuben und töten soll, so eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Bei einer Zählung wurden in der Stadt an der Lahn rund 700 Stadttauben erfasst, die von der Tötung betroffen wären. Tierschützer zeigten sich entsetzt über den Beschluss und kündigten an, rechtlich gegen die Maßnahme vorzugehen. In Rheinland-Pfalz haben die Städte friedlichere Methoden zur Kontrolle der Tiere.
Kaiserslautern: Illegales Füttern schadet Tieren und Umwelt
In Kaiserslautern ist das Füttern von Stadttauben und Wildtieren grundsätzlich verboten. Die Geldbuße kann bis zu 5.000 Euro betragen. So sollen sowohl die Menschen als auch die Natur geschützt werden.
Illegale Fütterungen können laut einem Pressesprecher der Stadt Kaiserslautern zu Gesundheitsschäden bei den Tieren führen. Außerdem würde eine Verunreinigung mit Futter zum Umkippen von Gewässern führen, worunter auch Fische und Amphibien leiden. Das sei „falsch verstandene Tierliebe“, so der Pressesprecher.
Es gibt allerdings zwei Taubentürme in Kaiserslautern, in denen die Vögel bereits gefüttert und die Eier von der Taubenhilfe Kaiserslautern ausgetauscht werden. Seit Ende 2023 füttert die Taubenhilfe zusätzlich in einem dritten Turm weitere Tauben an.
Koblenz: Gemeinsame Arbeit mit Taubenhilfe-Vereinen
„Wir regulieren die Population„, erklärte ein Sprecher der Stadt. Gemeint sind die beiden Taubenwagen, die Koblenz gemeinsam mit der Stadttaubenhilfe Koblenz/Neuwied e.V. betreibt.
Auch hier werden die Vögel angefüttert, damit sie in den Wagen beginnen zu brüten und die Eier gezielt gegen Attrappen ausgetauscht werden können. Die Stadt stellt neben dem Platz auch die Wagen und finanzielle Hilfe zur Verfügung, Freiwillige des Stadttaubenhilfe-Vereins kümmern sich um die Versorgung und Reinigung der Wagen.
Eine Tötung von Tauben würde es in Koblenz nicht geben, so ein Sprecher der Stadt: „Meines Wissens ist das auch gar nicht erlaubt.„
Ludwigshafen: „Die notwendige Unterstützung der DB fehlt“
Auch in Ludwigshafen sind an Bereichen mit vielen Tauben Maßnahmen zur Populationsregelung in Planung, insbesondere im Bereich Berliner-Platz. Am Hauptbahnhof sind die Maßnahmen allerdings schwerer einzuführen, laut dem Pressesprecher der Stadt Ludwigshafen fehle hier eine Unterstützung der Deutschen Bahn.
Zu den Maßnahmen in Ludwigshafen gehören die genaue Erhebung der Taubenbestände und extra eingerichtete Nistplätze, beispielsweise in Taubentürmen und Taubenschlägen. Aber auch Aufklärung spielt eine Rolle: Mit Plakaten und durch das Fütterungsverbot außerhalb der vorgesehenen Plätze werden Bürger auf den angemessenen Umgang mit Tauben aufmerksam gemacht.
Die Regulierung der Stadttaubenpopulation basiere auf dem Tierschutzgesetz und der „Bundesarbeitsgruppe Stadttauben“, erklärt der Pressesprecher: „Das ist die Grundlage für eine wirksame, nachhaltige und tierschutzgerechte Bestandskontrolle.“ Dafür arbeite man auch mit regionalen Tierschutzorganisationen zusammen.
Mainz: Füttern und Entfernen von Nestern verboten
In Mainz gibt es eine Stadttaubenbeauftragte und eine Anlaufstelle zu dem Thema „Tauben in Mainz“. Die Stadt erklärt: „In Mainz gibt es kein großflächiges Problem mit Stadttauben.“ Allerdings gebe es auch in Mainz eine Verschmutzung des Stadtbildes und Bürger, die sich belästigt fühlen.
Die Stadt versorgt die Vögel in fünf Taubeschlägen. Hier werden die Eier nach dem„Augsburger Modell“durch Attrappen ausgetauscht und die Tauben gefüttert, getränkt und medizinisch versorgt. Besonders in der Versorgung verletzter Tiere arbeitet die Stadt mit der Stadttaubenhilfe Mainz und Wiesbaden e.V. und dem Tierschutzverein Mainz und Umgebung e. V. zusammen.
Laut der Webseite des Stadttaubenmanagements werden auch wilde Nester in Mainz betreut, unbetreute Nester und Brutplätze werden tierschutzgerecht verschlossen. Die Stadt Mainz bittet Bürger, Nester mit Eiern oder Küken zu melden. Das Entfernen von diesen Nestern ist allerdings verboten, da das Töten der Tiere strafbar ist.
Auch das Füttern der Tauben ist verboten und kann mit einer Geldbuße bis zu 5.000 Euro geahndet werden. Durch die Taubenfütterung würde auch eine indirekte Fütterung von anderen Tieren, beispielsweise Ratten, im Stadtgebiet erfolgen, so die Aussage der Stadt.
Trier: „Tauben werden hier nicht als Problem wahrgenommen“
In Trier hat eine Umfrage der Stadt gemeinsam mit zwei Studentinnen gezeigt: Die Menschen fühlen sich durch die Stadttauben nicht gestört. Deshalb gibt es in Trier keine Maßnahmen, die Taubenpopulation einzudämmen.
Ein Fütterungsverbot gibt es trotzdem. Das soll vermeiden, dass sich die Tauben weiter vermehren. „Die Größe der Population passt sich dem Lebensraum an„, so ein Pressesprecher der Stadt.
So sollen auch die denkmalgeschützten Gebäude in Trier vor mehr Taubenkot bewahrt werden. Außerdem könnten Reste des Futters andere Tiere wie Ratten anlocken, die in der Stadt ungern gesehen sind.
Stadttaubenhilfe Mainz warnt vor „Todesfallen“
Wie in vielen Städten gibt es in Mainz einen Verein, der gemeinsam mit der Stadt die Problematik Stadttaube angeht. Als „Problem“ möchte der Verein Stadttaubenhilfe Mainz/Wiesbaden e. V. die Vögel jedoch nicht bezeichnen: „Die meisten „Probleme“entstehen erst durch das Zusammenleben von Menschen und Taube. Tauben an sich machen keine Probleme„, erklärt der Verein gegenüber.
Der Verein unterstützt dabei nicht nur die Städte bei der Betreuung von Taubenschlägen, sondern kümmert sich auch um Tauben, die besonders viel Schutz brauchen. So werden für verunfallte oder junge Tauben immer wieder Pflegestellen gesucht.
Auch die Aufklärung der Öffentlichkeit hat sich die Stadttaubenhilfe zur Aufgabe gemacht. Neben dem Social-Media-Auftritt werden auch Info-Stände veranstaltet, beispielsweise zum Tag der offenen Tür des Tierheims Mainz.
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Die Stadttaubenhilfe warnt jedoch vor dem falschen Umgang mit den Vögeln. Das Fütterungsverbot vieler Städte unterstützt der Verein: „Wenn in der Nähe unserer Taubenschläge „wild“ gefüttert wird, suchen weniger Tauben den Schlag auf und brüten weniger dort.“ Das würde auch das Tauschen der Eier schwerer machen.
Auch Vergrämungsmaßnahmen können den Tauben gefährlich werden. Beim Spannen von Netzen müsse man zum Beispiel aufpassen, dass die Tauben sich nicht verfangen und die Netze so zu „Todesfallen“ werden.
