Letzte Woche noch gelobten Olaf Scholz und Friedrich Merz bei Joko und Klaas einen fairen Wettkampf um den Bundestag. Jetzt kracht es zum ersten Mal so richtig zwischen den beiden. Einer der Streithähne greift dafür tief in die Trickkiste – und bedient sich einer aussterbenden Sprache. Unser Kommentar.
Wenn sein gestriger Auftritt nicht so peinlich gewesen wäre, könnte man Olaf Scholz fast dankbar sein. Weltweit sind über 3.000 Sprachen vom Aussterben bedroht. Sein Einsatz für das Plattdeutsch könnte nun zumindest eine von ihnen retten. Wie es dagegen um den Zusammenhalt in Deutschland bestellt ist, scheint ihm herzlich egal zu1 sein. Vielleicht sagt er sich nach den letzten Wochen auch einfach: Dor is Hoppen un Molt verluren. Und vielleicht entspringen seine kindischen Worte am ZDF-Mikrofon genau dieser Resignation.
„Fritze Merz erzählt gern Tünkram.“
– Olaf Scholz
Natürlich, Friedrich Merz hat ihn provoziert. Und das ausgerechnet am Tag der verlorenen Vertrauensfrage. Da darf man ruhig mal bockig sein. Es gilt nur zu bedenken: Scholz ist kein Teenager, sondern Bundeskanzler. Soll das auch über den 23. Februar hinaus so bleiben, muss er sich im Ton üben. Was es im anstehenden Wahlkampf braucht, sind sachliche Argumente und keine rhetorische Schlammschlacht – ein Rat, den auch Merz beherzigen sollte.
Nicht nur versprechen, sondern machen
Vergangene Woche bei Joko und Klaas schienen beide zumindest darin einer Meinung zu sein. Von einem fairen Wettkampf war die Rede. Dieses Versprechen haben Scholz und auch Merz bereits jetzt gebrochen. Deswegen den Kopf in den Sand zu stecken, wäre aber das falsche Signal an die Wählerschaft. Nun gilt es, Rückgrat zu beweisen, anstatt nur darüber zu reden. Es gilt, die eigenen Fehltritte zu korrigieren und sich im gemeinsamen Umgang zu bessern. Sollte der Streit auf Kindergartenniveau jedoch weitergehen, profitieren am Ende nur die anderen – und die kommen im schlimmsten Fall von Rechtsaußen.
