Duell um Kanzlerschaft: Wenn zwei sich streiten

Friedrich Merz (CDU) und Olaf Scholz (SPD) beschimpfen sich im Wahlkampf gegenseitig. Von Fremdscham und Tünkram ist die Rede. Von ihrem Verhalten könnte die AfD profitieren. Ein Kommentar von Julius Seipenbusch.

Es ist noch keine Woche her, da schworen die zwei Favoriten auf den Kanzlerposten öffentlich im Fernsehen, dass Respekt und Fairness das höchste Gut im anstehenden Wahlkampf sein werden. Eine Vertrauensfrage später sieht die Welt schon wieder anders aus. Wenn Merz und Scholz so weitermachen, schaden sie damit langfristig der deutschen Demokratie.

Erinnerungen an den US-Wahlkampf kommen auf, wenn sich zwei Parteien derart angehen, wie es SPD und CDU dieser Tage tun. Von Respekt und gegenseitiger Wertschätzung, die Scholz noch am vergangenen Donnerstag betonte, keine Spur. Stattdessen „erzähle Fritze Merz gerne Tünkram“, also auf gut deutsch dummes Zeug.

Dass CDU-Chef Merz zuvor sagte, Scholz’ Politik sei „zum Fremdschämen“, ist auch kein besserer Stil. Es erinnert an Kindergartenstreit, wenn die Favoriten auf das Kanzleramt in derartige Unsachlichkeiten verfallen. Und das, bevor die CDU überhaupt ein Wahlprogramm vorgelegt hat. Es wäre angeraten, inhaltliche Debatten zu führen, anstatt immer weiter auf angeblichen persönlichen Verfehlungen herumzureiten.

Fritze Merz erzählt gern Tünkram.

Olaf Scholz (SPD)

Die Streitereien zwischen SPD und CDU dürften besonders einer Partei gefallen. Bei derartigem Verhalten fällt es der AfD leicht, mit dem Finger auf die deutsche Politik zu zeigen und weiter Wähler abzuwerben. Denn eines sollte den demokratischen Parteien nach den Landtagswahlen im Osten klar sein: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.