Wolfsmord: Ein ZDF-Krimi voller Klischees

Der Wolf spielt eine zentrale Rolle (Bild: ambquinn/pixabay)
Der Wolf spielt eine zentrale Rolle (Bild: ambquinn/pixabay)

Vor bayerisch-österreichischer Bergkulisse lösen zwei Ermittlerinnen einen Mordfall. Für wen lohnt es sich einzuschalten?

Die Kamera schwenkt über das Alpenpanorama, im Hintergrund spielt idyllische Volksmusik. Mit nicht weniger authentischen Totalaufnahmen der Zugspitz Region ködert die ZDF-Produktion „Garmisch-Krimi – Wolfsmord“ ihr Publikum in die Film-Neuerscheinung. Doch dann ein Bruch: Ein Gewehr richtet sich auf einen Wolf und schießt. Der Krimi folgt dem Motto „nichts ist, wie es scheint“. Damit erfüllt er alle Klischees, die einen mittelmäßigen Krimi ausmachen. 

Die ehemalige Kommissarin Ira Zach (Lavinia Wilson) und ihre Nachfolgerin Daphne Meindl (Philine Schmölzer) ermitteln gemeinsam im Mordfall des Naturschutzbundvorstands Fabian Pongratz (Ben Münchow).  Nachdem dieser einen abgetrennten Wolfskopf per Post erhalten hat, erstattet er Anzeige bei der Polizei. Wenig später wird er tot aufgefunden. Als Daphne mit ihren Ermittlungen in seinem Todesfall nicht vorankommt, sucht sie Hilfe bei ihrer Vorgängerin Ira, die inzwischen in einem Baumarkt arbeitet. Diese vertritt in dem Fall ihr eigenes Interesse: das der besorgten Mutter. Ihre Tochter Pippa (Sophie Borchhardt) ist Aktivistin beim Naturschutzbund und Ira möchte vermeiden, dass ihr Ähnliches zustößt wie Fabian. 

Regie von Saralisa Volm

Verfilmt wurde der 90-minütige „Garmisch-Krimi“ Anfang 2025 in Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Tirol unter der Regie von Saralisa Volm. Filmproduzent Karsten Günther verspricht mit dem Krimi eine „atmosphärische Erzählung in den Bergen zu schaffen, die ohne Klischees auskommt“. In den zwei Protagonistinnen garantiert die Beschreibung des Films ein Ermittlerduo, das nicht unterschiedlicher sein könne. 

Wenngleich Produzent Karsten Günther es versichert – klischeelos ist der „Garmisch-Krimi“ keineswegs. Zwar sind die Bayerischen und Tiroler Alpen ein hübscher Schauplatz, die Bergkulisse liefert jedoch keinen außergewöhnlichen Handlungsort für einen ZDF-Krimi. Beispielsweise bedient sich der Fernsehkrimi „Der Geier – Freund oder Feind“ ebenfalls am Bergpanorama. Statt die Bergwelt dramaturgisch zu nutzen, bleibt der Schauplatz trotz seiner landschaftlichen Reize austauschbar und dient als bloße Kulisse ohne Einfluss auf die Handlung oder Spannung. 

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Im Zentrum der Ermittlungen bilden Ira und Daphne ein ungleiches Duo. Ira bringt Erfahrung mit. Sie kennt ihre ehemaligen Kripo-Kollegen und ist in Garmisch gut vernetzt. Den Anordnungen ihres ehemaligen Kripochefs Garner (Harald Windisch) widersetzt sie sich. Daphne hingegen ist jünger, unerfahrener, aber pflichtbewusster. Bei Ermittlungen trägt Ira stets schwarz – oft einen gleichfarbigen Ledermantel. Im Kontrast dazu stehen Daphne und ihre pastellfarbenen Anoraks. Doch auch das Erzählmittel des Ermittlerduos erfindet der „Garmisch-Krimi“ nicht neu. Im Gegenteil: es wirkt wie ein erschöpfter Genre-Stereotyp. Die Protagonistinnen sind in ihren charakterlichen und optischen Gegensätzen nahezu klischeehaft überspitzt dargestellt.

Über die Krimi-Klischees hinaus liefert der Film nur ein überhastetes Finale. Allgemein mag es für das Genre reizvoll sein, wenn bis zur Filmmitte noch unklar bleibt, wer der Mörder ist. Im „Garmisch-Krimi“ erfahren die Ermittlerinnen die Identität des Mörders jedoch erst drei Minuten vor Ende. Davor bietet der Film ein Wirrwarr an Verdachtspersonen und Motiven.  So hastig, wie der Mord aufgeklärt wird, endet der Film auch. Dadurch werden die Zuschauer völlig aus der Handlung herausrausgerissen. Selbst versierte Krimi-Fans müssen genau hinschauen und zuhören, sonst kommen sie hier nicht auf ihre Kosten. Am Samstag, den 28. Februar kommt der „Garmisch-Krimi – Wolfsmord“ um 20:15 Uhr am ZDF, vorab streamen können ihn Zuschauer ab dem 21. Februar in der ZDF-Mediathek. Wer Krimi-Klischees mag, kann einschalten. Der Rest sollte fernbleiben.