WHO-Abkommen zum Schutz vor Pandemien gebilligt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) billigt das globale Pandemieabkommen. Es enthält auch viele Lehren aus Corona. Von Nicolas Ecker, Ina Welter & Sarah Schubert.

Während der Corona-Pandemie haperte es oft an der Zusammenarbeit zwischen einzelnen Staaten – bei zukünftigen Pandemien soll das anders sein. Denn:

„Die nächste Pandemie ist keine Frage des ›ob‹, sondern des ›wann‹.“

-WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Deshalb einigten sich die Delegierten auf der Jahresversammlung in Genf auf einen Pandemievertrag, um für die Zukunft besser gewappnet zu sein.

Was beinhaltet der Pandemievertrag der WHO?

In dem Abkommen verpflichten sich die Staaten, ihre Gesundheitssysteme und die Überwachung von Tieren zu stärken. Dadurch sollen Krankheitsausbrüche schnellstmöglich entdeckt werden. Außerdem sollen alle Länder Zugriff auf Schutzmaterial, Medikamente und Impfstoffe haben. Gesundheitspersonal soll weltweit zuerst versorgt werden.

Auch die Forschung und Entwicklung wird mit dem Vertrag in die Pflicht genommen. Informationen zu neuen Erregern und wirksamen Impfstoffen sollen besser untereinander ausgetauscht werden. DNA-Sequenzen von Pathogenen – also etwa Viren, Bakterien oder anderen Mikroorganismen – sollen für die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen frei zur Verfügung gestellt werden.

Impfdosen sollen in Zukunft schneller global bereitgestellt werden können (Foto: kfuhlert/pixabay).
Impfdosen sollen in Zukunft schneller global bereitgestellt werden können (Foto: kfuhlert/pixabay).

Sind alle Erwartungen erfüllt worden?

Die Verhandlungen über das Abkommen liefen über gut drei Jahre. Für eine Einigung waren zahlreiche Kompromisse notwendig. Viele europäische Länder setzten sich für stärkere Auflagen zur Prävention ein. Ärmere Länder stellten sich aufgrund der hohen Kosten dagegen.

Viele afrikanische Länder hatten sich hingegen strengere Aufnahmen beim Technologietransfer sowie Finanzierungshilfen zur Stärkung der Gesundheitssysteme gewünscht. Experten sagen aber, es sei ein positives Signal, dass sich die Delegationen überhaupt auf einen Haupttext geeinigt haben. 

Verschwörungsmythen zum Pandemieabkommen

In Verschwörungsnetzwerken kursieren bereits zahlreiche Theorien, die behaupten, die WHO könne bei der nächsten Pandemie Zwangsmaßnahmen anordnen. Diese Behauptungen sind falsch. 

In Artikel 22 Nummer 2 des Pandemievertrags steht ausdrücklich, dass weder die WHO noch ihr Generaldirektor innerstaatliche Maßnahmen anordnen, Reisebeschränkungen verhängen, Impfungen erzwingen oder Lockdowns anordnen können. Der Vertrag gilt nur in Ländern, die ihn ratifizieren. In dem Vertrag sind auch keine Strafmaßnahmen vorgesehen, wenn ein Land seinen Verpflichtungen nicht nachkommt.