Die Pflege von Angehörigen ist teuer. Die neue Familienministerin Karin Prien (CDU) fordert deshalb ein Pflegegeld. Die Pläne stoßen auf Kritik. Von Marco Biallas.
Aus Sicht von Bundesfamilienministerin Prien sollte pflegenden Angehörigen ein Pflegegeld als Lohnersatz gezahlt werden. „Es wird mit unserer demografischen Entwicklung nicht möglich sein, dass Pflege allein von Fachkräften geleistet wird“, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe zur Begründung. „Deshalb müssen wir einen Einstieg in ein Pflegegeld als Lohnersatz für pflegende Angehörige schaffen“, ergänzte die Ministerin. Deutschland habe ein „riesengroßes Interesse“ daran, dass eine solche Leistung komme.

Sozialverbände begrüßen Vorschläge
Zustimmung bekommen die Pläne der Familienministerin von der Vorsitzenden des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier. Sie forderte in einem Interview mit der Funke Mediengruppe die Auszahlung eines Pflegegelds mindestens in Höhe des Elterngelds. Sie sprach sich für ein Pflegegeld „mit klarer Ober- und Untergrenze, die sich am vorherigen Einkommen orientiert“ aus. Ziel müsse sein, dass Menschen sich ohne Existenzangst um ihre Angehörigen kümmern könnten.
Auch der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Joachim Rock begrüßt die Pläne der neuen Familienministerin. Er fordert bei der Auszahlungshöhe eine Orientierung an „65 Prozent des letzten Nettoeinkommens, mindestens aber 300 und maximal 1.800 Euro“.
Kritik kommt von einem Gesundheitsökonom
Bedenken äußert hingegen der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen: „Bei dem Konzept des Familienpflegegelds besteht die Gefahr, dass Anreize zur Arbeitszeitreduzierung gesetzt werden, obwohl eine Vereinbarkeit von Pflege und Beruf bestünde.“ In Zeiten des Fachkräftemangels seien solche Maßnahmen gesamtwirtschaftlich nicht sinnvoll, gibt der Experte zu bedenken.
