Pedro Pascal in Cannes: Müssen Stars politisch sein?

Das Filmfestival in Cannes ist glamourös – und nicht selten auch politisch. Erwarten wir zu viel von unseren Lieblingsstars? Ein Kommentar von Katarina Bergmann.

Beim Filmfestival in Cannes stehen längst nicht nur die Filme im Mittelpunkt. Neben Premieren und Preisverleihungen bietet das Festival auch die Möglichkeit, Menschen besser kennenzulernen, die schauspielern, Regie führen und produzieren. In einem ungewohnt nahbaren Setting stellen sich die Filmschaffenden den Fragen der Presse – und können oft nur schlecht ausweichen.

Bei der Pressekonferenz zu Ari Asters neuem Horrorfilm „Eddington” wurde Pedro Pascal am vergangenen Samstag gefragt, ob er Angst davor habe, dass Amerika sich gegenüber dem Rest der Welt abschotten würde. Seine Antwort? Geeignet für Sharepics auf Instagram und Edits auf TikTok, die in den letzten Tagen viral gingen.

„Angst ist die Art und Weise, wie sie gewinnen, erzähle weiter Geschichten, drücke dich weiter aus. Kämpfe weiter dafür, der zu sein, der du bist.“ Kurz schneidet er an, dass er selbst als Kind mit seinen Eltern vor der chilenischen Militärdiktatur geflohen und schließlich in die USA ausgewandert ist. „Ich weiß nicht, was sonst mit uns passiert wäre. Ich stehe zu diesen Schutzmaßnahmen. Immer.“ Er betont, auf der richtigen Seite der Geschichte stehen zu wollen.

Reicht ein kurzes Statement?

Dass der Identifikationswert mit dem Lieblingsstar steigt, sobald man weiß, dass dieser sich politisch ähnlich verortet, das ist klar. Doch ist es wirklich eine generische, auf Instagram gedrillte Aussage wie diese, wofür Stars gefeiert werden sollten?

Müssen Stars politisch sein?

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Was die Fans in den sozialen Medien selten aufgegriffen haben: Bevor Pascal tatsächlich antwortete, hegte er ein. Die Frage sei zu einschüchternd für einen Schauspieler wie ihn, als dass er sie wirklich beantworten könne: „Ich bin nicht informiert genug.“ Auch während er antwortet sagt er, er habe zu viel Angst vor der Frage, er könne sich kaum noch daran erinnern, wie sie lautete.

Schweigen als Strategie?

Hat man Angst vor Gegenwind oder davor, Fans mit anderen politischen Ausrichtungen zu verlieren? Steht ein hochkarätiges Medientraining einem wichtigen politischen Statement im Weg? Kann Uninformiertheit bei Stars mit derart viel Geld und Ressourcen noch eine Ausrede sein? Es gibt nur wenige internationale Bühnen dieser Größenordnung, die Platz für eine Stellungnahme bieten würden.

„Ich bin ein Popstar, ich habe die verdammte Antwort nicht“ – Chappell Roan

Dass Stars, die ein vermeintlich politisches Leben führen, nicht auch automatisch öffentlich dafür einstehen, wurde auch in der Vergangenheit immer wieder deutlich. Die Sängerin Chappell Roan, die sich als lesbische Frau mit einer großen queeren Fanbase zu großen politischen Themen nicht äußern möchte, ist nur ein Beispiel dafür: „Warum, verdammt noch mal, wollen sie von mir eine politische Antwort? Ich bin ein Popstar, ich habe die verdammte Antwort nicht“, sagte sie im März im Podcast „Call Her Daddy“.

Das Beispiel Chappell zeigt: Eine politische Positionierung zu verweigern, ist schlimmer als eine nur oberflächliche Aussage. Die große Bühne wird Schauspieler:innen aber eben nicht nur auf der Kinoleinwand zuteil. In politisch instabilen Zeiten ist es wichtiger denn je, dass sie öfter und informierter Stellung beziehen.