Meinung: Eine typisch deutsche Legalisierung

Ein Mann hält einen Joint in der Hand (Quelle MurrrPhoto/pixabay).

Seit gut einem Jahr ist Cannabis in Deutschland teilweise legal. Warum das typisch deutsch ist und dennoch richtig. Ein Kommentar von Paul Hansen.

Am 1. April wurde Cannabis in Deutschland in Teilen legalisiert. Und dann passierte: Nichts. Konservative Kräfte hatten Schreckensszenarien gemalt, die mit diesem Schritt Realität werden würden. Wenn man ihnen Glauben schenkte, konnte man meinen, dass sich bald in der ganzen Republik nur noch schwer Drogenabhängige im öffentlichen Raum bewegen würden. Doch bis auf eine nächtliche Feier am Brandenburger Tor in der Nacht auf den 1. April machten sich die Konsumenten kaum bemerkbarer in der Gesellschaft als zuvor. Denn wer kiffen wollte, tat das davor meistens auch ohne staatliches Einverständnis. Wer stattdessen seit Jahren keinen Joint angerührt hatte, fing nun nicht an, dauerbreit sein Leben zu gestalten.

In einem Land, in dem Alkoholexzesse nur zu gerne bagatellisiert werden, war die strikte konservative Ablehnung eines Rausches durch Cannabis seit jeher wenig überzeugend. Dabei sprach seit Jahren vieles für eine Legalisierung: Die Entkriminalisierung der Konsumenten, die Entlastung der Justiz, die Bekämpfung der Straßenkriminalität und die Sicherheit für Grasraucher, dass ihr Stoff nun nicht mehr mit allerlei fragwürdigen Substanzen gestreckt würde.

CSU als schlechter Verlierer

Doch die Teil-Legalisierung hat auch ihre Tücken. Denn sie ist ganz dem deutschen Klischee entsprechend geprägt von Bürokratie und Ordnungswut. Maximal 25 Gramm unterwegs und 50 Gramm zu Hause darf jeder Erwachsene besitzen. Wer sich mit dem Anbau von Gras beschäftigt, findet schnell heraus, dass die Pflanzen eine Blütenmenge von mehreren hundert Gramm erreichen können. Auch viele andere Aspekte sind genaustens geregelt. Beim Rauchen im öffentlichen Raum müssen Uhrzeiten und Abstände zu Schulen, Kindergärten und Sportstätten eingehalten werden. Als schlechter Verlierer präsentierte sich dabei die CSU, die mit saftigen Geldstrafen drohte, falls diese Abstandsgrenzen unterschritten würden. Kaum vorstellbar, dass die Partei ähnlich aufträte, wenn es bei den Abstandsregelungen um den Konsum von Alkohol ginge.

Die Spitze des Ganzen sind aber die „Cannabis-Social-Clubs“. Sie sind aktuell die einzige Möglichkeit außerhalb des Eigenanbaus, den Stoff auf legale Weise zu erwerben. Doch hierfür bedarf es einer Lizenzierung des Clubs, die Erfüllung einer Reihe von Anforderungen an Gebäude, in denen angebaut werden darf und Vorschriften darüber, wer Mitglied werden darf. Der deutsche Staat schafft es dadurch, selbst dem Kiffen den Stempel der Vereinsmeierei aufzudrücken.

Die Teil-Legalisierung ist dennoch ein Erfolg. Denn sie ist ein wichtiger Schritt hin zu einer modernen Drogenpolitik, die nicht länger aus ideologischen Gründen heraus wissenschaftliche Argumente ablehnt und ein wichtiger Baustein, damit diese Gesellschaft endlich einen rationaleren Weg für den Umgang mit Drogen findet.