In seinem neuen Film zeigt Regisseur Kai Wessel die Geburtsstunde deutsch-französischer Freundschaft. Unsere Meinung: Ein Film für Zuschauer*innen mit Ausdauer.
Im Zentrum der Handlung steht ein Treffen zwischen dem deutschen Kanzler Konrad Adenauer (Burghart Klaußner) und dem französischen Premierminister Charles de Gaulle (Jean-Yves Berteloot) in dessen privatem Landhaus. In einem Gespräch möchten die Regierungschefs die Erbfeindschaft der beiden Nachbarländer beenden. Schnell kommen jedoch politische Differenzen auf, die ihr Vorhaben auf die Probe stellen.
Regie führte Kai Wessel im Auftrag des ZDF und in Zusammenarbeit mit Arte. „Ein Tag im September“ fügt sich in eine Reihe von Werken Kai Wessels, die sich mit historischen und gesellschaftspolitischen Themen beschäftigen. Für seine Regie zum Drama „Leben wäre schön“ und zur Serie „Zeit der Helden“ ist Wessel bereits zweifach mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden.
„Ein Tag im September“ erzählt von einem diplomatischen Gespräch, das Geschichte schreiben sollte. Nun ist es allerdings eben auch nur das: Ein diplomatisches Gespräch. Ein solches zu verfilmen und dabei die Zuschauenden nicht zu langweilen, ist eine Herausforderung, der der Film nur in Teilen gerecht wird. Es braucht einige Nebenhandlungen, um diese 88 Minuten aufzupeppen.
Hélène Alexandridis überzeugt als Madame de Gaulle
Eine Figur sticht in der ganzen Erzählung heraus: Madame de Gaulle (Hélène Alexandridis). Als das Gespräch der Staatsmänner durch ihre politischen Differenzen droht, vom eigentlichen Ziel abzukommen, zieht sie die Strippen.
Ist sie nun die feministische Heldin, die die Beziehung zweier Länder rettet, indem sie der toxischen Männlichkeit den Wind aus den Segeln nimmt? Oder ist sie doch nur ein Beweis dafür, dass Frauen – früher wie heute – dafür verantwortlich gemacht werden, ihre Männer zu bemuttern? Anstatt dass diese einmal handeln ohne, dass eine besonnene Hausfrau die Scherben hinter ihnen zusammenkehrt, dafür aber keinerlei Anerkennung erhält. So oder so – Madame de Gaulle (Hélène Alexandridis) bringt etwas mehr Reiz in eine sonst trockene Handlung. Es hätte dem Film nicht geschadet, mehr von ihrer Figur zu erzählen.
Wenig Liebe zum historischen Detail
Obwohl eine Verfilmung dieses Tages auch für wenig an Geschichte interessierte Menschen spannend sein könnte, bringt der Film nicht das gewisse Etwas mit, das es bräuchte, um auch diese mitzureißen. Für Menschen, die ein überdurchschnittliches Interesse an der deutsch-französischen Vergangenheit verspüren, kann „Ein Tag im September“ sicherlich reizvoll sein. Wie historisch korrekt der 14. September 1958 hier dargestellt wird, lässt sich allerdings schwer nachvollziehen. In den Memoiren Adenauers und de Gaulles weichen die Erinnerungen an das Zusammentreffen voneinander ab, so dass es sich nicht gänzlich faktengetreu rekonstruieren lässt.
Hinzu kommt, dass einige Tatsachen sich im Film nicht gut machen würden – so hat man beispielsweise die Dolmetscher weggelassen. Wer sich also ernsthaft dafür interessiert, wie dieser Tag abgelaufen ist, schaut sich vielleicht besser einen Dokumentarfilm an. Der 14. September 1958 ist von großer Relevanz für Deutschland gewesen. Ob er sich allerdings auch eignet, um einen Spielfilm zu füllen, lässt sich bezweifeln.
