ZDF-Film über Adenauer und de Gaulle: Zu Besuch bei alten Freunden?

Der ZDF-Film „Ein Tag im September“ soll das erste Treffen zwischen den späteren Freunden de Gaulle und Adenauer im Jahr 1958 zeigen – und die deutsch-französische Annäherung rüberbringen. Die Art und Weise, in der das versucht wird, ist aber eintönig. Eine Filmkritik von Amadeus Wolff.

Ein spätsommerlicher Tag in der französischen Einöde. Oder aber: Die Champagne im Jahr 1958. Zu diesem Zeitpunkt spielt „Ein Tag im September.“ In der Verfilmung von Kai Wessel geht es um das erste persönliche Treffen zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer (Burghart Klaußner) und dem späteren französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle (Jean-Yves Berteloot). Eine politisch wichtige Zeit: De Gaulle will in Frankreich mit der fünften Republik eine neue Verfassung etablieren, Adenauer ist damit beschäftigt, den kaputten deutschen Ruf wieder aufzupolieren. Da kommt er 13 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs auch nicht um einen alten Feind drum herum: Frankreich.

Außerdem braucht er den Nachbarn links des Rheins für die europäische Integration. Kurzum: Adenauer will die deutsch-französische Freundschaft. Dennoch begegnen sich die beiden alten Herren mit Argwohn: Vom „Sonnenkönig“ spricht im Film etwa Adenauer auf der Hinreise zu de Gaulles Landsitz in Colombey-les-deux-Églises.

Gegenseitige Vorbehalte – zumindest zu Beginn

Wobei die deutsche Delegation auf dem Weg zunächst im falschen Colombey landet. Die Gendarmerie hat sich vertan, die Deutschen kommen zu spät zum Rendez-Vous der Staatsmänner. Ja, die sonst so pünktlichen Deutschen. De Gaulle hat Adenauer zu einem privaten Treffen eingeladen, ein Zeichen der Wertschätzung nach jahrzehntelanger Erbfeindschaft.

Die ist zumindest zu Beginn des Films noch zu spüren, Adenauers Auto wird bespuckt und beworfen. Auch wenn der Kanzler damals sagte, der Empfang durch die französische Bevölkerung sei „außerordentlich herzlich gewesen.“ Vielleicht ein politischer Schachzug – oder aber die Realität sah anders aus.

Das berühmte Foto - aber nicht aus dem Film. (Foto: Bundesregierung/Schwahn)
Das berühmte Foto – aber nicht aus dem Film. (Foto: Bundesregierung/Schwahn)

Immerhin: Die Vorbehalte, die später auch Adenauers rechte Hand Günther Bachmann (Fabian Busch) und sein Fahrer Willi Klockner (Ronald Kukulies) zu spüren bekommen, bringen etwas Emotionen in den doch eher tristen Film. Wobei sie meist aufgesetzt wirken. Genau wie die Begegnung zwischen de Gaulle und Adenauer: Die erinnert eher an das zufällige Treffen zweier früherer Schulkameraden – die schon im Kindesalter wenig miteinander anfangen konnten.

Fast schon gezwungen unterhalten sich die beiden. Lauter wird es erst, als de Gaulle Deutschland als „Satellitenstaat“ bezeichnet. Rechtzeitig crasht seine Frau Yvonne (Hélène Alexandridis) dazwischen. Beim folgenden gemeinsamen Tee geht es wie aus dem Nichts um sehr persönliche Themen. Eine Unterhaltung, die beide – auch wenn die Stimmung eher kalt bleibt – näherbringt. Aber gleich auch beide Länder und ihre politischen Interessen? Das suggeriert zumindest der Film. Beide beschließen, sich gemeinsam für Frieden einzusetzen.

Zwei junge Frauen als Vorbild für die alten Herren

Gemeinsame Sache also. Etwas, das im Film zwei junge Frauen vormachen sollen – eine Fotografin aus Frankreich (Nora Turell) und eine deutsche Volontärin (Nadja Sabersky). Zusammen versuchen sie, Bilder und Informationen zu erhaschen – und profitieren dabei voneinander. Sie entwickeln ein freundschaftliches Verhältnis. Ein Vorbild für die alten Staatsmänner?

Eine wirkliche Verbindung der Handlungsstränge gibt es nicht – Wessel jedenfalls möchte die Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland auf allen Ebenen verdeutlichen. Vielleicht etwas zu sehr, irgendwann hat es der Zuschauer verstanden. De Gaulles Frau behauptet zum Ende des Films gar, Adenauer mache den Eindruck, zu Essen bei alten Freunden zu sein. Auch wenn sich beide den Tag über annähern – und am Ende sogar zusammen Petanque spielen: Dafür sind die Gespräche der beiden – die eben einen Großteil der Verfilmung ausmachen – zu distanziert. Vielleicht passend zum Treffen zweier alter Katholiken in den 50er Jahren, im Fernsehen von 2025 lockt man mit dieser Art von Verfilmung aber nicht mehr viele hinter dem Ofen hervor. Dabei wimmelt es doch nur so vor authentischen Filmen auf historischer Begebenheit. Der Unterschied zu „Ein Tag im September“: Sie wecken Emotionen. Vielleicht muss dies das Treffen zweier alter Männer auch nicht. Eine schnöde Doku hätte es dann vielleicht auch getan.

„Ein Tag im September“ läuft am XY.XY.XYXY um XY:XY Uhr im ZDF.